Hier finden Sie das aktuelle Medizin-Telegramm mit Nachrichten aus Gesundheit und Medizin.

Medizin-Telegramm Juni 2018

Probiotika und Divertikel

Divertikel kommen häufig vor. Die Prävalenz steigt in Industrieländern sogar dramatisch an. Die Erkrankung wird unterteilt in die asymptomatische Divertikulose, in die symptomatische, unkompli-zierte und in die komplizierte Divertikelkrankheit. Neueste Studien weisen darauf hin, dass ein Un-gleichgewicht der Darmflora bei der Divertikel-bildung und bei Entzündungen eine Rolle spielen könnte. Italienische Forscher bezogen in ihre systematische Übersichtsarbeit, 13 Studien mit ein (3 doppelblinde, Placebokontrollierte, 6 offene, randomisierte und 4 nicht randomisierte, offene Studien). Obwohl es sich bei den meisten Studien um Vorstudien handelt, deuten aktuelle Daten auf eine mögliche klinische Anwendung bestimmter probiotischer Stämme in allen Stadien der Erkrankung hin. Weitere Untersuchungen sind jedoch erforderlich, um besser zu verstehen, wann und wie Probiotika in unterschiedlichen Phasen der Erkrankung genutzt werden können.

(Ojetti V, Petruzziello C, Cardone S et al.: The use of probiotics in different phases of diverticular disease. Rev Recent Clin Trials. 2018 Apr 2. doi: 10.2174/1574887113666180402143140)

Coenzym Q10 verbessert das Lipidprofil bei Patienten mit Stoffwechselstörungen

Oxidativer Stress und Entzündungen sind Schlüsselparameter für die Entwicklung metabolischer Störungen. Daher könnte die Einnahme von Antioxidantien ein geeigneter

Ansatz sein. Eine systematische, kanadisch-iranische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus insgesamt 21 kontrollierten Studien (514 Patienten und 525 Kontrollpersonen) hat ergeben, dass sich durch die Supplementierung mit CoQ10 die Serum-Triglyzeridwerte signifikant reduzierten. Zudem nahmen, jedoch statistisch nicht signifikant, die Gesamt-Cholesterolwerte ab und die LDL- und HDL-Cholesterolwerte zu. Zusätzliche prospektive Studien werden empfohlen, in denen höhere Dosen in einem längeren Interventionszeitraum eingesetzt werden.

(Sharifi N, Tabrizi R, Moosazadeh M et al.: The effects of coenzyme Q10 supplementation on lipid profiles among patients with metabolic diseases: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Curr Pharm Des. 2018 Apr 5. doi: 10.2174/1381612824666180406104516)

Vitamin K2 und Multiple Sklerose (MS)

Wegen seiner schützenden Rolle vor mitochon-drialen Schäden könnte Vitamin K2 relevant sein, um das Fortschreiten der Erkrankung bei MS-Patienten zu verhindern. Eine iranisch-öster-reichische Studie mit 45 MS-Patienten (31 Frauen sowie 39 Probanden mit schubförmig verlaufender MS) und 29 gesunden Kontrollpersonen (19 Frau-en) offenbarte, dass die MS-Patienten erheblich geringere Vitamin K2-Blutwerte aufwiesen, als die Kontrollpersonen. Weibliche Patienten hatten signifikant niedrigere Vitamin K2-Spiegel als männliche Patienten. Zudem entdeckten die For-scher eine altersbedingte Abnahme der Werte um circa 10 % mit jedem Jahrzehnt. Die Vitamin K2-Konzentrationen waren zudem geringer mit zunehmender jährlicher Anzahl an Schüben  und höher bei Patienten mit Schädigungen des Sehn-ervs. Ein einheitlicher Zusammenhang mit der Medikation wurde nicht gefunden. Die wesentlich geringeren Vitamin K2-Werte bei MS-Patienten könnten durch einen Mangel, eine geringere Pro-duktion im Darm, eine verminderte Aufnahme oder, weniger wahrscheinlich, durch eine redu-zierte Zufuhr des Vorläufers Vitamin K1 bedingt sein. Die Rolle von Vitamin K2 bei der Entwicklung von MS und dem Fortschreiten der Erkrankung sollte in weiteren Studien erforscht werden.

(Lasemi R, Kundi M, Moghadam NB et al.: Vitamin K2 in multiple sclerosis patients. Wien Klin Wochenschr. 2018 Mar 2. doi: 10.1007/s00508-018-1328-x)

Resveratrol und rheumatoide Arthritis (RA)

Dem Polyphenol Resveratrol werden antioxidative, entzündungshemmende und krebshemmende Effekte zugeschrieben. Eine randomisierte, kontrollierte, klinische Studie mit 100 RA-Patienten (68 Frauen, 32 Männer), die sich in unterschiedlichen Aktivitätsstadien der Erkrankung befanden, wurden in 2 Gruppen mit jeweils 50 Probanden aufgeteilt. Die eine Hälfte nahm täglich, über einen Zeitraum von 3 Monaten zusätzlich zur konventionellen Behandlung, 1 Kapsel mit 1 g Resveratrol ein, während die andere Hälfte nur die Standardtherapie bekam. Es zeigte sich, dass sich in der Resveratrol-Gruppe, die klinischen Marker (z. B. Beurteilung der Schwellung und Druck-empfindlichkeit von 28 Gelenken) und die Punkte-zahl zur Erfassung der Krankheitsaktivität von 28 Gelenken, signifikant reduziert hatten. Dies galt auch für die Serum-Werte bestimmter biochem-ischer Marker in der Verum-Gruppe (z. B. C-reaktives Protein, Erythrozyten-Sedimentations-rate, uncarboxyliertes Osteocalcin, Matrix-metalloproteinase-3, Tumor-Nekrose-Faktor-α und Interleukin-6). Die aktuellen Studienergebnisse legen die adjuvante Einnahme von Resveratrol zu konventionellen Antirheumatika nahe.

(Khojah HM, Ahmed S, Abdel-Rahman MS et al.: Resveratrol as an effective adjuvant therapy in the management of rheumatoid arthritis: A clinical study. Clin Rheumatol. 2018 Apr 3. doi: 10.1007/s10067-018-4080-8)

Vitamin D und chronisch geringgradige Entzündungen bei Typ-2-Diabetikern

Vitamin D werden antiinflammatorische Eigen-schaften attestiert. Eine systematische Übersichts-arbeit und Meta-Analyse aus 20 randomisierten, kontrollierten Studien mit insgesamt 1270 Typ-2-Diabetikern hat ergeben, dass die Gruppen, die Vitamin D supplementierten, niedrigere Konzen-trationen an C-reaktivem Protein und Tumor-Nekrose-Faktor-α sowie eine geringere Erythro-zytensedimentationsrate aufwiesen. Ferner hatten sie, verglichen mit den Kontrollgruppen, höhere Leptinspiegel. Diese Arbeit liefert Evidenz der Stufe 1, dass eine Vitamin D-Supplementierung chronisch geringgradige Entzündungen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes lindern kann.

(Mousa A, Naderpoor N, Teede H et al.: Vitamin D supplementation for improvement of chronic low-grade inflammation in patients with type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trial. Nutrition Reviews, Vol. 76, Issue 5; 1 May 2018, pages 380-394)

Zinkdefizite bei Pflegeheimbewohnern

Veränderungen im Zinkstoffwechsel, verursacht durch den Alterungsprozess und das Wohnen im Pflegeheim, tragen zu Zinkdefiziten bei älteren Menschen bei. Eine Hypozinkämie führt zu Veränderungen der Blutzucker-, Fett- und Entzündungsparameter. In einer brasilianischen Querschnittsstudie mit 255 älteren Pflegeheimbewohnern waren reduzierte Plasma-Zink-Konzentrationen mit einer längeren Wohnzeit im Pflegeheim sowie mit einem schlechterem Lipid- und Entzündungsprofil assoziiert.

(Sales MC, de Oliveira LP, de Araujo Cabral NL et al.: Plasma zinc in institutionalized elderly individuals: Relation with immune and cardiometabolic biomarkers. J Trace Elem Med Biol. 2018 Apr 24. doi: 0.1016/j.jtemb.2018.04.026)

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Höhere Vitamin D-Werte mit geringerem Krebsrisiko assoziiert

Dies hat eine umfangreiche, prospektive, japanische Studie ergeben. Die Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass Vitamin D protektive Effekte auf viele Krebserkrankungen hat.

(Budhathoki S, Hidaka A, Yamaji T et al.: Plasma 25-hydroxyvitamin D concentration and subsequent risk of total and site specific cancers in Japanese population: large case-cohort study within Japan public health center-based prospective study cohort. BMJ 2018; 360:k671, publ. 07 March 2018)

Antihypertonika beeinflussen oft die Zinkhomöostase

Eine polnische Studie mit 98 Probanden hat ergeben, dass sich durch eine antihypertensive Monotherapie, die Zinkkonzentrationen im Serum und in den Erythrozyten verringern, während die Zinkwerte im Urin ansteigen. Zudem reduzierten sich die CAT (Katalase) und SOD (Superoxiddismutase)-Aktivität sowie die TNF-α-Konzentration im Serum, während die NO (Stickstoffmonoxid)-Spiegel im Serum zunahmen. Durch eine höhere Zink-Zufuhr verminderten sich die Glukosespiegel im Serum. Fazit: Antihypertonika beeinträchtigen den Zinkstatus bei neu diagnostizierten Bluthochdruckpatienten. Eine antihypertensive Monotherapie, kombiniert mit einer verstärkten Zinkzufuhr über die Ernährung oder durch entsprechende Präparate, beeinflusst die Zinkhomöostase günstig und reguliert den Glukosestatus, ohne den Blutdruck von Hochdruckpatienten negativ zu beeinflussen.

(Suliburska J, Skrypnik K, Szulińska M et al.: Effect of hypotensive therapy combined with modified diet or zinc supplementation on biochemical parameters and mineral status in hypertensive patients. J Trace Elem Med Bio. 2018 May;47:140-148)

 Curcumin und chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Der Gelbwurz (Curcuma longa) werden antiinflammatorische und antioxidative Eigenschaften attestiert. Verantwortlich dafür sollen die darin enthaltenen Curcuminoide sein. Laut einer brasilianischen Übersichtsarbeit reduziert Curcumin oxidativen Stress und inhibiert die Migration von neutrophilen Granulozyten sowie die induzierbare Stickstoffmonoxidsynthase im Darm. Es soll zudem Mikro- und Makroläsionen lindern können, die Apoptose intestinaler Zellen verhindern und die Wiederherstellung der mitogen-aktivierten Proteinkinase-Immunreaktion induzieren. Da die Inzidenz von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa in vielen Populationen steigt, ist es dringend notwendig ein geeignetes und erschwingliches Mittel zu finden, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Denn die Standardmedikamente sind teuer und haben viele Nebenwirkungen. Der Einsatz von Curcumin ist dagegen preiswert, effizient und nicht mit Nebenwirkungen verbunden. Daher könnte es möglicherweise ein Adjuvans zur Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen werden.

(Neto FC, Marton LT, de Marqui SV et al.: Curcuminoids from Curcuma longa: New adjuvants for the treatment of Crohn’s disease and ulcerative colitis? Crit Rev Food Sci Nutr. 2018 Mar 22:1-36)

Alpha-Liponsäure bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie

In einer griechischen Studie nahmen 72 Patienten mit schmerzvoller diabetischer Neuropathie täglich, über einen Zeitraum von 40 Tagen 600 mg α-Liponsäure ein. Dadurch verbesserten sich die neuropathischen Symptome, die Triglyzeridwerte und die Lebensqualität der Probanden. Die Hälfte der Studienteilnehmer bewerteten ihren Gesund-heitsstatus als “sehr viel besser” oder “viel besser”, verglichen mit dem Ausgangszustand.

(Agathos E, Tentolouris A, Eleftheriadou I et al.: Effect of α-lipoic acid on symptoms and quality of life in patients with painful diabetic neuropathy. J Int Med Res. 2018 Jan 1:300060518756540)