Hier finden Sie das aktuelle Medizin-Telegramm mit Nachrichten aus Gesundheit und Medizin.

Medizin-Telegramm Oktober 2018

Vitamin D-Spiegel und Darmkrebs

Frühere Meta-Analysen ergaben bereits verbesserte Überlebenschancen bei  Kolonkarzinom-Patienten mit höheren 25-Hydroxyvitamin D-Werten. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (Update) des deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg aus 11 Studien mit insgesamt 7.718 Darmkrebs-Patienten zeigte ebenfalls verbesserte, durchschnittliche Überlebensraten bei den höchsten 25(OH)D-Spiegeln, im Vergleich zu den geringsten Konzentrationen. Dies galt sowohl für das Gesamtüberleben als auch für  die darmkrebsspezifischen Überlebensraten. Die Assoziationen waren bei europäischen Studien, Studien mit mehr Probanden, incl. Patienten der Stadien I-IV, stärker ausgeprägt. Potentielle Prognoseverbesserungen durch Vitamin D-Ergänzungen, sollten nun in randomisierten Studien geprüft werden.

(Maalmi H, Walter V, Jansen L et al: Association between blood 25-hydroxyvitamin D levels and survival in colorectal cancer patients: An updated systematic review and meta-analysis. Nutrients. 2018 Jul 13;10(7))

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Vitamin C und Stimmung

Forscher aus Neuseeland untersuchten bei 139 männlichen Studenten den Zusammenhang zwischen den Vitamin C-Konzentrationen im Plasma und der Stimmungslage. Die psychische Befindlichkeit wurde mittels eines standardisierten Fragebogens ermittelt. Es zeigten sich inverse Assoziationen zwischen dem Vitamin C-Status und Depressionen, Verwirrung und Wut. Ein hoher Vitamin C-Status war bei jungen Männern mit einer besseren Gesamtstimmung verbunden.

(Pullar JM, Carr AC, Bozonet SM et al.: High vitamin C status is associated with elevated mood in male tertiary students. Antioxidants (Basel). 2018 Jul 16;7(7))

Selen und Mundhöhlenkrebs

Mundhöhlenkarzinome sind zu 95 % Plattenepithelkarzinome. Die Ergebnisse einer koreanischen Studie deuten darauf hin, dass eine Supplementierung mit dem Antioxidans Selen eine wertvolle adjuvante, therapeutische Maßnahme für Patienten mit Mundhöhlenkrebs sein kann, die sich einer Bestrahlung unterziehen müssen. Die Probanden nahmen nach Beenden der Radiatio täglich, über einen Zeitraum von 6 Monaten, 400 µg Selen in Form von Natriumselenit ein. Dies hatte sowohl positiven Einfluss auf die Homöostase diverser Spurenelemente und Mineralstoffe (Se, Cu, Fe, Zn, Na, K, Ca, Cl), als auch auf die Biomarker dieser Krebsform.

(Elango S, Samuel S, Khashim Z et al.: Selenium influences trace elements homeostasis, cancer biomarkers in squamous cell carcinoma patients administered with cancerocidal radiotherapy. Asian Pac J Cancer Prev. 2018 Jul 27;19(7):1785-1792)

Antioxidantien und menopausale Beschwerden

Die Resultate einer iranischen Querschnittsstudie mit 400 postmenopausalen Frauen zeigten, dass eine Ernährung mit einer höheren totalen antioxidativen Kapazität, mit weniger menopausalen Symptomen wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen, Ängsten, Erschöpfung und  Konzentrationsschwierigkeiten assoziiert war.

(Abshirini M, Siassi F, Koohdani F et al.: Dietary total antioxidant capacity is inversely related to menopausal symptoms: A cross-sectional study among Iranian postmenopausal women. Nutrition, Nov-Dec 2018, Vol. 55-56, pages 161-167)

Omega-3-Fettsäuren und nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)

Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 18 kontrollierten Interventionsstudien ergab, dass eine Supplementierung mit mehrfach ungesättigten, langkettigen Omega-3-Fettsäuren (besonders EPA und DHA) zu statistisch signifikanten Verbesserungen bei 6 von 13 metabolischen Risikofaktoren, 2 von 3 Leberenzymwerten, des Fettgehaltes der Leber und beim Steatose-Score führte. Histologische Untersuchungen, die nur bei Patienten mit einer nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH) durchgeführt wurden, ergaben keine Veränderungen durch die Einnahme langkettiger Omega-3-Fettsäuren.

(Musa-Veloso K, Venditti C, Lee HY et al.: Systematic review and meta-analysis of controlled intervention studies on the effectiveness of long-chain omega-3 fatty acids in patients with nonalcoholic fatty liver disease. Nutrition reviews, Vol. 76, Issue 8, 1. August 2018, pages 581-602)

Darmflora, Resilienz und Immunität

Seelisch resiliente Personen haben tendenziell ein robusteres Immunsystem. Unter Resilienz versteht man die Widerstandsfähigkeit z. B. negativen Einflussfaktoren standzuhalten und sich davon wieder zu erholen, ohne Schaden zu nehmen. Resilienz wird durch individuelle Qualitäten wie u. a. Optimismus, aber auch soziale Unterstützung begünstigt, was in Bezug auf Stress bereits ausgiebig untersucht wurde. Das Darmmikrobiom, das bekanntlich wichtig für das Immunsystem ist, beeinflusst offenbar ebenfalls, wie Menschen auf psychischen und physischen Stress reagieren. Eine Darmdysbiose kann negative Effekte auf den mentalen Zustand haben. Resilienz beeinflusst, wie gesagt, die Immunität. Doch auch umgekehrt, gibt es Evidenz, dass Immunprozesse die Resilienz beeinflussen. Resiliente Personen haben einen anderen Immunphänotyp als stressanfällige Menschen. Es ist anscheinend möglich, stressanfällige Individuen durch eine Änderung ihres inflammatorischen Phänotyps resilient zu machen und umgekehrt. Die Modulation über das Darmmikrobiom mittels Pro- und Präbiotika dieser, in beide Richtung laufenden Beziehungen zwischen Resilienz und Immunität, eröffnet die Möglichkeit einer Einflussnahme. Vor der Praxisumsetzung sind jedoch noch weitere Studien notwendig.

(Dantzer R, Cohen S, Russo SJ et al.: Resilience and immunity. Brain Behav Immun. 2018 Aug 10. doi: 10.1016/j.bbi.2018.08.010)