Medizin-Telegramm Juli 2021

Synbiotika und Colitis ulcerosa

Synbiotika, d. h. eine Kombination aus Pro- und Präbiotika gelten als komplementäre Therapie zu konventionellen Behandlungen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Laut einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus randomisierten, klinischen Studien verbesserte die adjuvante Einnahme von Synbiotika signifikant die endoskopischen und histologischen Darm-Scores, den klinischen Aktivitätsindex, die C-reaktiven Proteinwerte im Serum, das intestinale Mikrobiom, den Darmgewohnheiten-Index, die Konzentrationen an messenger-RNAs, Tumornekrose-Faktor-α, Interleukin-1α, Interleukin-10 und Myeloperoxidase bei Colitis ulcerosa-Patienten.

(Rufino MN, da Costa AL, Nascimento Jorge E et al. Synbiotics improve clinical indicators of ulcerative colitis: Systematic review with meta-analysis. Nutr. Rev. 2021 May 19;nuab017)

Zink und Psoriasis

Zink ist für das Immunsystem von großer Bedeutung. Zudem werden ihm antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.  In der Haut ist es für die Bildung von Fetten und für die Barrierefunktion relevant. Außerdem fördert es die Wundheilung und soll den Juckreiz lindern.

Bei der Psoriasis-Arthritis wird niedrig dosiertes Methotrexat eingesetzt. In einer Studie mit 37 Patienten, die unter Psoriasis-Arthritis litten und 50 gesunden Personen selben Alters und Geschlechts, zeigte sich, dass die Serum-Zinkkonzentrationen signifikant geringer und die Kupferlevel bei den Betroffenen signifikant höher waren als bei den gesunden Kontrollpersonen. Nachdem die Patienten wöchentlich 15 mg Methotrexat erhielten, erhöhten sich die Serum-Zinkwerte signifikant, während sich die Kupferspiegel signifikant reduzierten. Zudem wurden die Symptome gelindert. Fazit: Die Studie liefert Evidenz, dass niedrige Zink- und hohe Kupferwerte mit der Pathogenese der Psoriasis-Arthritis assoziiert sein könnten. Zudem könnte der Wirkmechanismus von Methotrexat auf einem Anstieg der Zinklevel und einer Abnahme der Kupferwerte im Serum beruhen. Ferner offenbarte sich, dass niedrig-dosiertes Methotrexat Leberschäden induzieren kann.

(Gao Y, Li X, Liu T et al. The effect of methotrexate on serum levels of trace/mineral elements in patients with psoriatic arthritis. Biol Trace Elem Res. 2021 Jan 15. doi: 10.1007/s12011-021-02594-5)

Die pleiotropen Effekte von Polyphenolen

Polyphenole wie Flavanole etc. haben u. a. günstige Effekte bei Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas, dem metabolischen Syndrom und Diabetes. Sie können u. a. die Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms in ähnlicher Weise wie Präbiotika modulieren, was zu einer positiven Regulierung von Stoffwechselwegen und Immunantworten führt sowie geringgradige chronische Entzündungen reduziert. Ferner erhöht sich durch die bakterielle Biotransformation der Flavanole deren Bioverfügbarkeit.

(Martín MÁ, Ramos S: Impact of dietary flavanols on microbiota, immunity and inflammation in metabolic diseases. Nutrients. 2021 Mar 5;13(3):850)

Coenzym Q10 (CoQ10) lindert zytostatikainduzierte Kardiotoxizität

CoQ10 spielt eine wichtige Rolle bei der Biosynthese von Adenosin-5′-Triphosphat (ATP), und es wirkt antioxidativ. Es gibt immer mehr Evidenz, dass CoQ10 eng mit kardiovaskulären Erkrankungen verbunden ist. Eine Supplementierung mit CoQ10 kann bei verschiedenen chronischen und akuten Krankheiten nützlich sein. CoQ10, das bei Herzinsuffizienz eingesetzt wurde, reduzierte die Mortalität und verbesserte die körperliche Belastbarkeit der Betroffenen. Die Substanz kann zudem die systolischen und diastolischen Blutdruckwerte bei Hypertonie-Patienten reduzieren. Eine CoQ10-Supplementierung verhindert ferner elektrokardiographische Veränderungen bei Patienten, die das Anthracyclin Doxorubicin nehmen und hat einen positiven Effekt auf die Herzfunktion während einer Chemotherapie mit Anthracyclinen.

(Miedziaszczyk M, Cieślewicz A, Jabłecka A: Efficacy of coenzyme Q10 in supportive therapy of the cardiovascular diseases and in the prevention of cardiotoxicity caused by chemotherapy. Pol Merkur Lekarski. 2021 Apr 18;49(290):158-161)

Vitamin D-Mangel und unspezifische chronische Kreuzschmerzen

In einer retrospektiven Beobachtungsstudie wurden insgesamt 376 Patienten mit unspezifischen chronischen Kreuzschmerzen im Alter von 18 bis 65 Jahren in 2 Gruppen eingeteilt: Die Probanden in Gruppe 1 hatten ein Vitamin D-Defizit (n = 302 (80,32 %), während Gruppe 2 (n = 74 (19,68 %)) normale Vitamin D-Werte aufwies (mindestens 30 ng/mL). Die Studienautoren fanden eine negative Korrelation zwischen dem Vitamin D-Status und der Schmerzintensität.

(Kanaujia V, Yadav RK, Verma S et al. Correlation between vitamin D deficiency and nonspecific chronic low back pain: A retrospective observational study. J Family Med Prim Care. 2021 Feb;10(2):893-897)

Risikofaktor Hyperhomocysteinämie

Mehr als 100 Erkrankungen werden mit erhöhten Homocystein-Konzentrationen im Plasma assoziiert, vor allem kardiovaskuläre Erkrankungen, Erkrankungen des zentralen Nervensystems sowie viele altersbedingte Krankheiten wie kognitive Beeinträchtigung, Makuladegeneration und Schlaganfälle. Erhöhte Homocysteinwerte lassen sich durch eine Therapie mit B-Vitaminen senken. So kann man derartige Krankheiten verhindern bzw. die Gesundheit verbessern. Bei Erwachsenen sind Gesamt-Homocysteinwerte von 10 µmol/L oder darunter wahrscheinlich ungefährlich, aber Werte von 11 µmol/L und darüber, rechtfertigen eine Intervention.

(Smith AD, Refsum H: Homocysteine – from disease biomarker to disease prevention. J Intern Med. 2021 Mar 3. doi: 10.1111/joim. 13279)