Medizin-Telegramm März 2020

Oxidativer Stress begünstigt Hautalterung

Die Haut ist die Hauptschnittstelle zwischen Körper und Umwelt. Sie bildet eine biologische Barriere für zahlreiche chemische und physikalische Schadstoffe (z. B. UV-Licht, Ozon, etc.). Die Exposition gegenüber diesen äußeren Stressoren erzeugt reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die das endogene Abwehrsystem der Haut überfordern (z. B. Katalase, die Vitamine C und E etc.), was zu einer vorzeitigen Hautalterung aufgrund von DNA-Schäden, mitochondrialen Schäden, Lipidperoxidation, Aktivierung entzündlicher Signalwege und der Bildung von Proteinaddukten (Biomarker für die Exposition gegenüber toxischen Substanzen) führt. Die topische Verwendung von Antioxidantien inkl. der Vitamine C und E, Carotinoiden, Resveratrol etc. kann mit Nahrungsergänzungsmitteln, die diese antioxidativen Bestandteile enthalten, kombiniert werden. Ergänzend dazu sollen essentielle Mineralien etc. Schutz bieten.

(Woodby B, Penta K, Pecorelli A et al.: Skin health from the inside out. Annu Rev Food Sci Technol. 2020 Jan 6)

Vitamin D-Status und gynäkologische Erkrankungen

Viele Studien weisen darauf hin, dass Vitamin D antiproliferative, antiinflammatorische, antiangiogenetische und Apoptose-induzierende Effekte besitzt. Wissenschaftler des Helios Klinikums in Krefeld bestimmten die Vitamin D-Werte (Serum-25(OH)D) bei 688 gynäkologischen Patientinnen (488 mit malignen und 200 mit benignen gynäkologischen Erkrankungen) im Zeitraum zwischen 2009 und 2015. Insgesamt waren die 25(OH) D-Spiegel bei den Krebspatientinnen geringer, aber nicht signifikant niedriger, als bei den krebsfreien Probandinnen. Signifikante Auswirkungen auf die Vitamin D-Werte bei Patientinnen mit Brust-, Endometrium- und Eierstockkrebs hatten jedoch jahreszeitliche Einflüsse. Keine signifikanten Effekte auf die 25(OH)D-Spiegel hatten dagegen der Menopause-Status, Nikotinabusus oder der Erkrankungsgrad. Die Forscher schlussfolgern, dass die 25(OH)D-Konzentrationen gynäkologische Krebserkrankungen zu beeinflussen scheinen.

(Kolnsberg L, Riffelmann M, Friedrich M: Comparison of serum 25-Hydroxyvitamin D levels in patients with malignant and benign gynaecological disease. Anticancer Res, 40 (1), 545-550. Jan 2020)

Calcium reduziert Knochendichteverlust

Laut einer US-amerikanischen Multicenter-Längsschnitt-Kohortenstudie mit 1490 Frauen im Alter zwischen 42 bis 52 Jahren war die Verwendung von Calcium-Supplementen in der kompletten Kohorte mit einem geringeren jährlichen Verlust der Knochendichte im Oberschenkelhals und in der Lendenwirbelsäule assoziiert. Allerdings war diese protektive Assoziation nur bei prämenopausalen Frauen signifikant. Fazit: Die Einnahme von Calcium war mit einem geringeren Knochenmineraldichteverlust über mehr als ein Jahrzehnt assoziiert, aber nicht mit einem geringeren Risiko für Knochenfrakturen rund um den Menopauseübergang.

(Bailey RL, Zou P, Wallace TC et al.: Calcium supplement use is associated with less bone mineral density loss, but does not lessen the risk of bone fracture across the menopause transition: Data from the study of women‘s health across the nation. JBMR Plus, 4(1), e10246. 2019 Nov 15. eCollection Jan 2020)

Zink und Warzen

In einer türkischen Studie mit 49 Patienten, die unter Verruca vulgaris litten (Durchschnittsalter 32,01 plus/minus 14,20 Jahre, 22 Männer und 27 Frauen) sowie 40 gesunden Freiwilligen, waren bei Probanden die Zinkkonzentrationen mit Verruca vulgaris signifikant geringer als bei den Gesunden. In der Patienten-Gruppe waren zudem die Malondialdehyd (MDA)-Spiegel und die HDL-Werte signifikant höher, als in der Kontrollgruppe. Ersteres weist auf eine erhöhte Lipidoxidation durch Freie Radikale hin. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass reduzierte Serum-Zink-Level und vermehrter oxidativer Stress für die Entwicklung von Warzen verantwortlich sein könnten. Zink wirkt bekanntlich antioxidativ.

(Korkmaz S, Şirin FB, Erturan I et al.: Coenzyme Q10, zinc and MDA levels in verruca vulgaris. Turk J Med Sci. DOI: 10.3906/sag-1909-12. 2020 Jan 30)

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) beeinträchtigen die Aufnahme von Magnesium

Laut Literatur kann eine PPI-induzierte Reduktion der Azidität im Gastrointestinaltrakt die Absorption von u. a. Magnesium verringern. Geringe Magnesiumwerte sind mit einer beeinträchtigten Muskelfunktion assoziiert. Ferner ist Magnesium für die Aktivierung von Vitamin D notwendig. Niedrige Vitamin D- und Magnesiumspiegel zusammen, können zu verstärkten Entzündungen führen, die am Muskelschwund beteiligt sind. Ergänzend dazu kann der Gebrauch von PPI die Zusammensetzung des Darmmikrobioms verändern, wodurch Entzündungen weiter zunehmen, so deutsche und niederländische Forscher.

(Vinke P, Wesselink E, van Orten-Luiten W et al.: The use of proton pump inhibitors may increase symptoms of muscle function loss in patients with chronic illnesses. Int J Mol Sci, 21 (1). 2020 Jan 3)

Hyaluronsäure-Injektionen bei Kniearthrose

Hyaluronsäure (HA) kommt natürlicherweise im Bindegewebe vor. Sie bildet zudem einen wichtigen Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Die körpereigene Produktion nimmt mit zunehmendem Alter ab. Bei Arthrose wird HA direkt ins Kniegelenk gespritzt und soll Symptome lindern, v. a. die Schmerzen. In einer Untersuchung hat sich gezeigt, dass v. a. Moleküle im Bereich einer Größe von 800 bis 1500 kDa aufgenommen wurden.

In der aktuellen Behandlungsleitlinie zu Arthrose im Knie sprach sich die Mehrheit der Experten (89 %) bei Patienten, die keine Schmerzmittel (NSAR) nehmen dürfen oder denen diese Analgetika nicht ausreichend helfen, für Hyaluronspritzen im Kontext eines Gesamttherapiekonzeptes aus. Bei Patienten, bei denen ein entzündlicher Schub einer Gonarthrose (aktivierte Arthrose) im Vordergrund steht, kann die gemeinsame intraartikuläre Applikation eines Steroids mit HA in Betracht gezogen werden.

(https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-004l_S2k_Gonarthrose_2018-01_1.pdf, S. 26; abgerufen am 30.01.2020)

Eine aktuelle Studie weist ebenfalls auf die Linderung der Symptomatik bei Patienten mit Kniearthrose durch HA-Injektionen hin.

(Hosseini B, Taheri M, Ardekani RP et al.: Periarticular hypertonic dextrose vs intraarticular hyaluronic acid injections: A comparison of two minimally invasive techniques in the treatment of symptomatic knee osteoarthritis. Open Access Rheumatol, 11, 269-274. 2019 Nov 18)