Medizin-Telegramm Dezember 2020

Vitamin D3, K2 und Covid-19

Dass Vitamin D3 bei Covid-19 hilfreich sein könnte, darauf deuten inzwischen viele Arbeiten hin, so auch eine aktuelle italienische Studie, die auf eine hohe Prävalenz (81 %) einer Hypovitaminose D bei Covid-19-Erkrankten mit akutem Lungenversagen hinweist, die in einer dafür vorgesehenen Versorgungseinheit behandelt wurden. Patienten mit einem schweren Vitamin D-Mangel (< 10 ng/mL) hatten zudem ein signifikant höheres Mortalitätsrisiko. Ein schwerer Vitamin D-Mangel könnte daher ein Marker für eine schlechte Prognose bei diesen Patienten sein, was nahe legt, dass eine adjuvante Behandlung mit Vitamin D den Verlauf der Erkrankung verbessern könnte.

(Carpagnano GE, Lecce V Di, Quaranta VN et al.: Vitamin D deficiency as a predictor of poor prognosis in patients with acute respiratory failure due to COVID-19. J Endocrinol Invest. 2020 Aug 9;1-7)

Ein niederländischer Forscher der Wageningen Universität (NL) ist der Auffassung, dass Covid-19-Patienten zusammen mit Vitamin D3, das immunregulierend wirkt, auch K2 supplementieren sollten, um langfristige Gesundheitsrisiken durch Covid-19 zu verhindern.

(Goddek S: Vitamin D3 and K2 and their potential contribution to reducing the COVID-19 mortality rate. Int J Infect Dis. 2020 Aug 5;S1201-9712(20)30624-X)

Curcumin und Krebs 

Obwohl sich das therapeutische Arsenal für Blasenkrebs in den letzten Jahren beträchtlich erweitert hat, behindern schwere Nebenwirkungen und die Resistenzentwicklung den langfristigen Behandlungserfolg. Daher wenden sich einige Patienten alternativen oder komplementären therapeutischen Optionen zu, wie z. B. natürlichen pflanzlichen Produkten. Eines davon ist Curcumin, der Hauptbestandteil von Curcuma longa, der in experimentellen Krebsmodellen chemopräventive Effekte gezeigt hat. Klinische und präklinische Studien weisen auf seine Rolle als Chemosensibilisator hin, der Tumorzellen empfindlicher für die Wirkungen der Chemotherapie macht. Zudem hat Curcumin gezeigt, dass es Organe vor zytostatikainduzierter Toxizität schützen kann. Diese Eigenschaften deuten darauf hin, dass Curcumin ein vielversprechender, adjuvanter Kandidat für die Krebsbehandlung sein könnte, so deutsche Forscher.

(Rutz J, Janicova A, Woidacki K et al.: Curcumin – A viable agent for better bladder cancer treatment. Int J Mol Sci. 2020 May 26;21(11):3761)

Zwei weitere Arbeiten weisen auf einen günstigen Einfluss von Curcumin bei Zytostatikaresistenzen hin.

(Xu T, Guo P, He Y et al.: Application of curcumin and its derivates in tumor multidrug resistance. Phytotherapy Research/Vol. 34, Issue 10, first publ. 07.04.2020)

(Keyvani-Ghamsari S, Khorsandi K: Curcumin effect on cancer cells’ multidrug resistance: An update. Phytotherapy Research/Vol. 34, Issue 10, first publ. 19.04.2020)

Laut einer weiteren Arbeit könnte Curcumin auch beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom von Nutzen sein.

(Salehi M, Movahedpour A, Tayarani A et al.: Therapeutic potentials of curcumin in the treatment of non-small-cell lung carcinoma. Phytotherapy Research/Vol. 34, Issue 10. First publ. 19.04.2020)

Selen und Strahlentherapie

Es hat sich gezeigt, dass Selen die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie reduzieren kann, weil Selenoproteine antioxidative Effekte gegen reaktive Sauerstoffspezies entfalten, die durch die Radiatio induziert werden. In Selen-Supplementierungsstudien wurden Dosierungen von 300 bis 500 µg/d über eine Dauer von 10 Tagen bis 6 Monaten eingesetzt. Das Spurenelement linderte die Nebenwirkungen der Bestrahlung, ohne ihre Wirksamkeit zu mindern oder toxisch zu sein. Fazit: Die Ergebnisse früherer und aktueller Übersichtsarbeiten der Studienautoren ergaben, dass eine Supplementierung mit Selen, spezifische Vorteile bei einigen Krebsarten bietet, die bestrahlt werden. Die Forscher empfehlen den Selenstatus vor der Radiatio zu bestimmen und im Falle eines Mangels (Serum-Selenwert < 100 µg/L) das Spurenelement zu verabreichen.

(Handa E, Puspitasari IM, Abdulah R et al.: Recent advances in clinical studies of selenium supplementation in radiotherapy. J Trace Elem Med Biol. 2020 Sep 28;62:126653)

Zink und Acne vulgaris

Eine US-amerikanische, systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse ergaben, dass Akne-Patienten im Vergleich zu den Kontrollpersonen signifikant geringere Serum-Zinkwerte aufwiesen. Patienten, die mit Zink behandelt wurden, zeigten signifikante Verbesserungen bei der durchschnittlichen Anzahl entzündlicher Papeln, als Probanden, die kein Zink erhielten.

(Yee BE, Richards P, Sui JY et al.: Serum zinc levels and efficacy of zinc treatment in acne vulgaris: A systematic review and meta-analysis. Dermatol Ther. 2020 Aug 29;e14252)

Mitochondriale Dysfunktion: Coenzym Q10 und Alpha-Liponsäure

Etliche altersbedingte Erkrankungen (ARD) sind mit oxidativem Stress und mitochondrialer Dysfunktion verbunden. Die meisten Studien befassten sich mit kardiovaskulären und neurodegenerativen Erkrankungen sowie mit Typ-2-Diabetes. Mitochondriale Nährstoffe oder Cofaktoren wie z. B. Alpha-Liponsäure (ALA), Coenzym Q10 (CoQ10) und Carnitin besitzen starke antioxidative Eigenschaften und üben verschiedene essenzielle Rollen in den Mitochondrien aus. In klinischen Studien mit ARD-Patienten erhielten diese jedoch meist nur einen mitochondrialen Nährstoff, wie z. B. CoQ10 bei kardiovaskulären Erkrankungen oder ALA bei Typ-2-Diabetes, eventuell kombiniert mit anderen Antioxidantien. Es gibt leider nur wenige klinische und präklinische Studien, in denen 2 mitochondriale Nährstoffe verabreicht wurden. Deren Resultate waren aber überaus positiv, weshalb die Studienautoren weitere Studien empfehlen, in denen mehrere mitochondriale Cofaktoren eingesetzt werden.

(Pagano G, Pallardo FV, Lyakhovich A et al.: Aging-related disorders and mitochondrial dysfunction: A critical review for prospect mitoprotective strategies based on mitochondrial nutrient mixtures. Int J Mol Sci. 2020 Sep 25;21(19):E7060)

Proteolytische Enzyme und Arthrose der Lendenwirbelsäule

Die Degeneration der Lendenwirbelsäule mit ausgeprägter Verengung des Bandscheibenfachs und der Bildung von Osteophyten triggert Schmerzen im unteren Rücken. Üblicherweise werden diese mit nichtsteroidalen Entzündungshemmern (NSAIDS) behandelt, die jedoch zu schweren gastrischen Nebenwirkungen führen können. In einer pakistanischen Studie wurden 40 Männer und Frauen mit einer Arthrose der Lendenwirbelsäule in 2 Gruppen aufgeteilt. Gruppe 1 erhielt 2-mal täglich, über einen Zeitraum von 6 Wochen, jeweils 1 Tablette mit 100 mg Aceclofenac als Standardtherapie. Gruppe 2 nahm zusätzlich zur Standardtherapie, 2-mal täglich 250 mg eines Enzymsupplementes ein, bestehend aus Bromelain und Papain. Die Patienten in der Enzymgruppe hatten signifikant weniger Schmerzen (VAS- und ODI-Score), signifikant verminderte Spiegel an alkalischer Phosphatase (ALP) und Serum-Kreatinin sowie eine bessere Lebensqualität, die verglichen mit der alleinigen Standardtherapie, auch noch nach Beenden der Intervention anhielten.

(Naeem H, Naqvi S N-U-H, Perveen R et al.: Efficiency of proteolytic enzymes in treating lumbar spine osteoarthritis (low back pain) patients and its effects on liver and kidney enzymes. Pak J Pharm Sci. 2020 Jan;33(1(Supplementary)):371-378)