Medizin-Telegramm Februar 2020

Vitamin K2-Status und arterielle Gefäßsteifigkeit bei unbehandelten Migräne-Patienten

Die Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, die mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert wird. Ein Vitamin K2-Mangel gilt als kardiovaskulärer Risikofaktor. In einer libanesisch-US-amerikanischen Fall-Kontroll-Beobachtungsstudie, an der 73 Patienten mit Migräne und 73 vergleichbare Kontrollpersonen, in Bezug auf Alter und Geschlecht, teilnahmen (insges. 89 % Frauen), zeigte sich, dass die Probanden mit Migräne, verglichen mit den Kontrollpersonen, statistisch signifikant höhere durchschnittliche Pulswellengeschwindigkeiten aufwiesen, gemessen an der Halsschlagader und Oberschenkelarterie (cfPWV: Goldstandard zur Beurteilung der arteriellen Gefäßsteifigkeit) sowie höhere Werte an uncarboxyliertem, inaktivem Matrix-Gla-Protein (dp-ucMGP: Marker für den Vitamin K2-Status). Eine höhere cfPWV war nur bei Migräne-Patienten mit Aura mit erhöhten dp-ucMGP-Konzentrationen assoziiert. Letztere weisen auf einen Vitamin K2-Mangel hin. Ferner hatten Migräne-
Patienten häufiger ein Vitamin K2-Defizit, verglichen mit den Kontrollpersonen, wobei jedoch die Assoziation statistisch nicht signifikant war.

Fazit: Migräne-Patienten hatten schlechtere Werte in Bezug auf die arterielle Gefäßsteifigkeit, verglichen mit der Kontrollgruppe. Eine Zunahme der arteriellen Gefäßsteifigkeit war bei Migräne-Patienten mit Aura mit einem Anstieg eines Markers assoziiert, der auf ein Vitamin K2-Defizit hinweist.

(Mansour AG, Ahdab R, Bahous SA et al.: Vitamin K2 status and arterial stiffness among untreated migraine patients: A case-control study. Headache. 2019 Nov 25. DOI: 10.1111/head.13715)

Zink- sowie Vitamin C- und D-Defizite bei Patienten mit diabetischen Fußgeschwüren

In einer australischen, prospektiven Kohortenstudie, an der 131 Patienten mit diabetischen Fußulzera teilnahmen, wiesen 55,7 % der Patienten einen Vitamin D-Mangel im Blut auf. Suboptimale Vitamin C-Spiegel hatten 73 % der Betroffenen (davon waren die Konzentrationen bei 22,2 % grenzwertig, während 50,8 % einen Mangel aufwiesen). 26,9 % hatten ein Zink-, 10,9 % ein Vitamin A-Defizit und 5,9 % niedrige Ferritinwerte. Ein erhöhter Schweregrad bei den diabetischen Fußgeschwüren war mit niedrigeren Vitamin C-Werten assoziiert. Die Studie weist darauf hin, dass ein Mangel an Mikronährstoffen, vor allem an den Vitaminen A, C und D sowie Zink bei Diabetikern mit Fußulzera häufig vorkommt. Besonders problematisch ist die hohe Prävalenz von Vitamin C- und Zinkdefiziten, angesichts ihrer Rolle bei der Wundheilung

(Pena G, Kuang B, Cowled P et al.: Micronutrient status in diabetic patients with foot ulcers. Adv Wound Care (New Rochelle), 9 (1), 9-15, 2020 Jan 1)

Selen und antioxidative Marker

Gemäß einer iranisch-malaysischen, systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 13 randomisierten, kontrollierten Studien erhöhten sich durch eine Supplementierung
mit Selen signifikant die Gluthationperoxidase (GPX)- und TAC (totale antioxidative Kapazität) -Werte, während die Malondialdehyd (MDA)-Spiegel im Plasma sanken. Die Resultate zeigen, dass Selen oxidativen Stress reduzieren kann.

(Hasani M, Djalalinia S, Heshmat R et al.: Effect of selenium supplementation on antioxidant markers: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Hormones (Athens). 2019 Dec 10. DOI: 10.1007/ s42000-019-00143-3)

Zink-Status und polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

Eine iranische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 8 Studien mit insgesamt 552 PCOS-Patientinnen und 464 gesunden Kontrollpersonen hat ergeben, dass die zirkulierenden
Zinkwerte bei den Frauen mit PCOS signifikant geringer waren, als bei den gesunden Kontrollpersonen.

(Abedini M, Ghaedi E, Hadi A et al.: Zinc status and polycystic ovarian syndrome: A systematic review and meta-analysis. J Trace Elem Med Biol, 52, 216-221. Mar 2019)

Vitamin D und allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT)

Eine der vielversprechendsten therapeutischen Maßnahmen bei zahlreichen malignen Erkrankungen des Blutes, wie Leukämien, ist die HSCT. Eine Hauptkomplikation der HSCT ist jedoch die Entwicklung der lebensbedrohlichen Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD, Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion), die den vorteilhaften Effekt, nämlich das Zerstören der Leukämiezellen durch die übertragenen Blutstammzellen (Graft-versus-Leukämie-Effekt, GvL-Effekt), begrenzt. Die Verstärkung des GvL-Effektes, ohne eine schwere GvHD zu induzieren, ist essenziell, um die Rückfallrate nach einer HSCT zu verringern. Vitamin D3 ist in diesem Zusammenhang wegen seiner modulierenden Fähigkeit, sowohl eine GvHD zu verhindern, als auch die GvL-Reaktionen zu verstärken, ein interessanter Akteur. Laut aktuellen Studien induziert Vitamin D3 eine immunsuppressive Umgebung. Es ist auch bekannt, dass Vitamin D3 die antimikrobielle Abwehr unterstützt. Ebenfalls könnte es die Graft-versus-Infektions-Effekte bei Patienten verbessern. Darüber hinaus könnten die Proliferation und Aktivierung alloreaktiver T-Zellen durch eine Vitamin D3-vermittelte Inhibierung abgeschwächt werden. Die Behandlung mit Vitamin D3 führt nicht nur zu einer Verschiebung eines proentzündlichen Status zu einem tolerogenen Zustand, sondern fördert auch die antitumorale Aktivität der Immunzellen. Patienten, die eine HSCT erhalten, sind zudem häufig mangelernährt, bekommen kaum Sonnenlicht ab und haben aufgrund von Medikamenten und beeinträchtigten Organfunktionen, einen veränderten Vitamin D-Stoffwechsel. Daher sind sie prädestiniert für einen Vitamin D3-Mangel, so Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und des Universitätskrankenhauses in Regensburg.

(Flamann C, Peter K, Bruns H et al.: Regulation of the immune balance during allogenic hematopoietic stem cell transplantation by vitamin d. Front Immunol, 10, 2586. 2019 Nov 5)

Langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren und Kognition

Laut einer chinesischen Meta-Analyse aus 7 randomisierten, klinischen Studien verbesserte sich bei Älteren, mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI), durch die Einnahme langkettiger, mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren (n = 213), die Kognition effektiv, im Vergleich zur Placebogruppe (n = 221).

(Zhang X, Han H, Ge X et al.: Effect of n-3 long-chain polyunsaturated fatty acids on mild cognitive impairment: A meta-analysis of randomized clinical trials. European Journal of Clinical Nutrition (2019), publ. 05.12.2019)

Gemäß einer australischen, systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 25 randomisierten, kontrollierten Studien verbesserten langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren das Gedächtnis bei nicht dementen, älteren Erwachsenen zumindest leicht.

(Alex A, Abbott KA, McEvoy M et al.: Long-chain omega-3 polyunsaturated fatty acids and cognitive decline in non-demented adults: A systematic review and meta-analysis. Nutrition Reviews. Publ. 16.12.2019. https://doi.org/10.1093/nutrit/nuz073)