Medizin-Telegramm Juni 2021

Zinkmangel bei Männern über 50 und die Auswirkung auf Prostataerkrankungen

Zink ist u. a. wichtig für die Prostatafunktion. In einer Übersichtsarbeit wird deutlich, wie endogene Faktoren (schwere oder persistierende Diarrhö, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, chronische Nierenerkrankungen, alkoholbedingte Lebererkrankungen) zur Ausscheidung von Zink führen oder die Zinkaufnahme begrenzen (v.a. gastrointestinale Krebserkrankungen, Zöliakie, Kurzdarmsyndrom) und wie exogene Faktoren, wie die Ernährung und  regelmäßige Medikamenteneinnahmen (Omeprazol und andere Protonenpumpeninhibitoren, Diuretika, Antibiotika wie Tetrazyklin und Chinolone, Antikonvulsiva wie Natriumvalproat, Metallchelatoren) bei Männern über 50 Jahren den Zinkstatus signifikant reduzieren und dadurch das Risiko für eine benigne Prostatavergrößerung (BPH) erhöhen können. Die BPH gilt wiederum als Risikofaktor für Prostatakrebs. Zinkaminosäurekomplexe können Antagonisten und Inhibitoren der Zinkaufnahme entgegenwirken und die Bioverfügbarkeit von Zink für notwendige biologische Prozesse in der Prostata verbessern. In mehr als 16 Studien waren die Zinkwerte bei ca. 60 bis 80 % der Prostatakrebspatienten deutlich reduziert, verglichen mit normalem und gutartig vergrößertem Prostatagewebe. Organische Zinkverbindungen mit Aminosäuren sollten bevorzugt werden, so die Forscher.

(Sauer AK, Vela H, Vela G et al. Zinc deficiency in men over 50 and its implications in prostate disorders. Front Oncol. 2020; 10: 1293.)

Die Rolle von B-Vitaminen bei Rückenschmerzen und anderen muskuloskelettalen Erkrankungen

Die antinozizeptive Rolle des Vitamin B-Komplexes wurde bereits vor einigen Jahrzehnten erkannt, d. h. B-Vitamine, und zwar besonders die Kombination aus Thiamin (Vitamin B1), Pyridoxin (Vitamin B6) und Cyanocobalamin (Vitamin B12) reduzieren die Sensitivität gegenüber Schmerzreizen. Es gibt ebenfalls zunehmende Evidenz, die auf eine adjuvante analgetische Wirkung bei Schmerzen im unteren Rückenbereich hinweist. Die aktuelle Übersichtsarbeit bestätigt, dass der kombinierte Einsatz der genannten B-Vitamine einen ergänzenden analgetischen Einfluss bei unterschiedlichen Schmerzen, besonders im unteren Rückenbereich und bei muskuloskelettalen Leiden (Nackenschmerzen, Arthrose etc.) mit nozizeptiven und neuropathischen Komponenten hat. Die Wissenschaftler erklären den Effekt mit antiinflammatorischen, antinozizeptiven, neuroprotektiven und neuromodulierenden Wirkungen dieser Vitamine auf das absteigende Schmerzsystem.

(Nava-Mesa MO, Aispuru Lanche GR: Role of B- vitamins, thiamine, pyridoxine and cyanocobalamin in back pain and other musculoskeletal conditions: A narrative review. Semergen. 2021 Apr 14;S1138-3593(21)00065-4)

Erklärung: Neben dem aufsteigenden schmerzvermittelnden System gibt es ein absteigendes schmerzhemmendes System – antinozizeptives System.

Soja-Isoflavone beim menopausalen Syndrom etc.

Taiwanesische Forscher geben in ihrer Arbeit einen Überblick über die Verwendung von Soja-Isoflavonen, die nicht nur beim menopausalen Syndrom eingesetzt werden. Bezüglich präventiver Effekte ist eine höhere Zufuhr an Isoflavonen mit einem moderat geringeren Risiko assoziiert, eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln. Soja-Isoflavone sollen auch die Risiken für Brust- und Darmkrebs sowie die Inzidenz eines Mammakarzinomrezidivs vermindern. Der Konsum von Isoflavonen oder Sojaprodukten ist zudem mit einem reduzierten Risiko für Endometrium- und Blasenkarzinome verbunden. Bezüglich ihrer therapeutischen Effekte beim menopausalen Syndrom oder anderen Erkrankungen können Isoflavone vasomotorische Symptome, den Knochenverlust in der Wirbelsäule und Bluthochdruck lindern sowie in vitro die glykämische Kontrolle verbessern. Auch depressive Beschwerden während der Schwangerschaft sollen sie verringern. Bezüglich der Dosierung und Dauer der Einnahme besteht jedoch weiterhin Forschungsbedarf.

(Chen L-R, Chen K-H: Utilization of isoflavones in soybeans for women with menopausal syndrome: An overview. Int J Mol Sci. 2021 Mar 22;22(6):3212)

Omega-3-Fettsäuren und Mortalitätsrisiko

Eine gepoolte Analyse aus 17 prospektiven Kohortenstudien, mit einer durchschnittlichen Follow-Up-Dauer von 16 Jahren, ergab, dass das Gesamtmortalitätsrisiko bei den Personen signifikant geringer war (um 15-18 %), bei denen die Konzentrationen an zirkulierenden langkettigen, marinen Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaen- (EPA) -, Docosapentaen- und Docosahexaensäure (DHA)) am höchsten waren, im Vergleich zu denen, die die niedrigsten Werte aufwiesen. Ähnliche Beziehungen beobachteten die Forscher beim Sterblichkeitsrisiko aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen, Krebs und Krankheiten anderer Ursachen. Fazit: Höhere zirkulierende Level an marinen n-3 PUFAs sind mit einem geringeren vorzeitigen Sterberisiko assoziiert.

(Harris WS, Tintle NL, Imamura F et al. Blood n-3 fatty acid levels and total and cause-specific mortality from 17 prospective studies. Nature Communications (2021)12:2329)

Coenzym Q10-Mangel und Epilepsie

Oxidativer Stress gilt neuerdings als ein möglicher Mechanismus in der Pathogenese der Epilepsie. Coenzym Q10 (CoQ10) ist ein starkes endogenes Antioxidans, das die Zellen vor Lipidoxidation und der Produktion reaktiver Sauerstoffspezies schützt. An einer iranischen Studie nahmen 39 Patienten mit epileptischen Anfällen und 35 gesunde Kontrollpersonen teil. Die CoQ10-Werte der Epilepsiepatienten waren signifikant geringer als die der gesunden Kontrollpersonen. Zudem zeigte sich eine negative Korrelation zwischen der   Anfallshäufigkeit, -dauer und dem Serum-CoQ10-Spiegel. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein CoQ10-Mangel wesentlich zu den klinischen Symptomen einer Epilepsie beitragen kann.

(Simani L, Rezaei O, Ryan F et al. Coenzyme Q10 insufficiency contributes to the duration and frequency of seizures in epileptic patients. Basic Clin Neurosci. Nov-Dec 2020;11(6):765-771)

Vitamin D-Status und Psoriasis

Studien haben gezeigt, dass Psoriasis-Patienten ein erhöhtes Mortalitätsrisiko haben. Zudem besteht eine inverse Beziehung zwischen dem 25-Hydroxyvitamin D (25-OH-D)-Spiegel und der Gesamtmortalität. Von insgesamt 82.091 Teilnehmern der NHANES-Studie litten 610 Patienten an Psoriasis. Eine retrospektive Kohortenstudie der NHANES-Daten ergab, dass die 25(OH)D-Konzentration auch signifikant invers mit der Gesamtsterblichkeit bei erwachsenen Psoriasis-Patienten assoziiert war. Vitamin D wird bei den Betroffenen wegen ihrer Hautanomalie nicht regulär metabolisiert. Die Einnahme von Vitamin D ist mit einer reduzierten Mortalität bei Psoriasis-Patienten verbunden. Fazit: Bei Psoriasis-Patienten ist es wichtig ein Augenmerk auf den Vitamin D-Status zu legen und ggf. zu supplementieren.

(Fu H, Tang Z, Wang Y et al. Relationship between vitamin D level and mortality in adults with psoriasis: A retrospective cohort study of NHANES data. Clin Ther. 2021 Feb;43(2):e33-e38)