Medizin-Telegramm Oktober 2019

Ausreichender Vitamin D-Status konnte Rezidivrate bei Basalzellkarzinomen senken

In einer prospektiven, türkischen Studie wurden zunächst die 25-0H Vitamin D3-Werte von Patienten bestimmt, die im Zeitraum 2012 bis 2013 die Diagnose Basalzellkarzinom erhalten hatten. In einer 2. Phase (in den Jahren 2014 bis 2015) wurden dann nochmals die 25-OH Vitamin D3-Spiegel bei den Teilnehmern ermittelt, die zuvor Konzentrationen von < 25 ng/mL aufwiesen. Die durchschnittlichen 25-OH Vitamin D3-Level dieser Probanden lagen in dem Zeitraum nur noch bei 10,12 ng/mL, und alle von ihnen hatten ein Rezidiv. Nach einer Supplementierung mit Vitamin D kam der Tumor nur noch bei 9,64 % der Patienten zurück. Die durchschnittlichen 25-OH Vitamin D3-Werte in der 3. Phase (2015 bis 2017) hatten sich durch die Vitamin D-Einnahme inzwischen auf 40,1 ng/mL erhöht. In dieser Periode hatten nur noch 3,49 % der Teilnehmer einen Rückfall.

Fazit: Ein Aufrechterhalten der 25-OH Vitamin D3-Spiegel von über 25 ng/mL kann die Rezidivrate bei Patienten mit Basalzellkarzinomen signifikant reduzieren.

(Ince B, Yildirim MEC, Dadaci M: Assessing the effect of vitamin D replacement on basal cell carcinoma occurrence and recurrence rates in patients with vitamin D deficiency. Horm Cancer. 2019 Jun 28. doi: 10.1007/s12672-019-00365-2)

Zink verbesserte Blutglukoseprofil bei Schwangerschaftsdiabetes

Eine chinesische, systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 5 randomisierten, Placebo-kontrollierten Studien mit insgesamt 263 Patientinnen, die unter Schwangerschaftsdiabetes litten, zeigte, dass eine Supplementierung mit Zink effektiv ist, um die Nüchternblutzucker-, Insulin-, HOMA-IR-Werte und den QUICKI (quantitativer Insulinsensitivitätscheckindex) zu verbessern.

(Li X: The influence of zinc supplementation on metabolic status in gestational diabetes: A meta-analysis of randomized controlled studies. J Matern Fetal Neonatal Med. 2019 Aug 22:1-171)

Übrigens weist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ausdrücklich darauf hin, dass Phytat Zink im Magen-Darm-Trakt bindet, sodass es dann nicht mehr vom Körper aufgenommen werden kann, d.h. dessen Bioverfügbarkeit ist vermindert. Phytat ist eine chemische Form (Anion) der Phytinsäure. Diese dient in Pflanzen als Speicherform von Phosphor und bindet verschiedene Mineralstoffe, welche die Pflanze bei der Keimung benötigt. Daher kommt es vor allem in Lebensmitteln vor, die auch als Saatgut dienen können, z. B. in Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide.

Neben der in Lebensmitteln enthaltenen Zinkmenge ist der Phytatgehalt der wichtigste Einflussfaktor für die Aufnahme von Zink in den menschlichen Organismus. Die Zinkaufnahme im Darm kann bei sehr hohen Phytatgehalten in der Ernährung, im Vergleich zu durchschnittlichen Phytatgehalten, um bis zu 45 % vermindert sein. Daher muss bei einer hohen Phytataufnahme auch die Zufuhr von Zink erhöht werden.

(https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/zink/#c8173, abgerufen am 28.08.2019)

Vitamin K-Mangel bei Patienten mit Hüftfrakturen

In einer britischen Studie wiesen 22 (36 %) von 55 Patienten mit einer Hüftfraktur (Durchschnittsalter 80 plus/minus 9,6 Jahre, insges. 33 % Männer) einen subklinischen Vitamin K-Mangel bei der Aufnahme ins Krankenhaus auf. Als Referenzbereich wurden > 0,15 μg/L angegeben. Der Anteil der Probanden mit einem subklinischen Vitamin K-Defizit stieg nach der Operation sogar auf 64 % (35/55) an. 13 % der Teilnehmer hatten präoperativ und 15 % postoperativ nachweisbare PIVKA-II-Konzentrationen, ein Marker für einen subklinischen Vitamin K-Status (uncarboxylierter Faktor II). Keiner der Patienten hatte eine abnorme Prothrombinzeit.

Fazit: Die Prävalenz eines Vitamin K-Mangels bei Patienten mit Hüftfrakturen ist hoch und nimmt nach einer kurzen Fastenperiode aufgrund des chirurgischen Eingriffs weiter zu. Obwohl kein signifikanter Einfluss auf einen perioperativen Blutverlust festgestellt wurde, sind umfangreichere Studien dazu und zur potenziellen, perioperativen Rolle von Vitamin K-Supplementen gerechtfertigt.

(Bultynck C, Munim N, Harrington DJ et al.: Prevalence of vitamin K deficiency in older people with hip fracture. Acta Clin Belg. 2019 Jan 8:1-5)

B-Vitamine und Alterung

B-Vitamine tragen zur allgemeinen Gesundheit und zum Wohlbefinden bei. Sie sind wichtig für den Energiestoffwechsel, die Methylierung (epigenetischer Mechanismus zur Regulierung von Genaktivitäten), Synthese und Reparatur der DNA sowie für eine ordnungsgemäße Immunfunktion. Ein Mangel an B-Vitaminen wird mit neurokognitiven Störungen, mitochondrialer Dysfunktion, Störungen des Immunsystems und Entzündungen in Verbindung gebracht. In der alternden Bevölkerung wird ein Defizit an B-Vitaminen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Störungen, kognitive Dysfunktion, Osteoporose und Methylierungsstörungen assoziiert. Die Optimierung des Vitamin B-Status kann daher bei älteren Menschen sinnvoll sein, um degenerative Krankheiten, insbesondere kardiovaskuläre und kognitive Erkrankungen aber auch Osteoporose, zu verhindern.

(Mikkelsen K, Apostolopoulos V: B-vitamins and ageing. Subcell Biochem. 2018;90:451-470)

Selen und Lipidprofil

Ein Update einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus randomisierten, kontrollierten, klinischen Studien weist auf einen signifikanten Effekt einer Selensupplementierung auf den Gesamt-Cholesterol-Wert (TC) im Serum hin. Laut Resultaten einer Subgruppenanalyse sanken durch eine Selenzufuhr von 200 μg/d, oder bei Ausgangs-Serum-TC-Spiegeln von > 200 μg/dl sowohl die TC- als auch die Triglycerid (TG)-Konzentrationen im Serum signifikant. Andere Lipidwerte (HDL-C und LDL-C) wurden durch Selen nicht beeinflusst.

(Rad EY, Falahi E, Saboori S et al.: Effect of selenium supplementation on lipid profile levels: An updated systematic review and meta-analysis of randomized controlled clinical trials. Obesity Medicine, Vol. 15, Sept. 2019, https://doi.org/ 10.1016/j.obmed.2109.100113)

Bromelain nach operativer Weisheitszahnentfernung

Eine chinesische systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 6 randomisierten, Placebo-kontrollierten Studien hat ergeben, dass die Einnahme von Bromelain zur Reduktion der Gesichtsschwellung im frühen (2 bis 3 Tage) und späten Stadium (7 Tage) nach einer Weisheitszahn-Operation effektiv zu sein scheint. Bromelain linderte zudem 7 Tage nach dem chirurgischen Eingriff die postoperativen Schmerzen, während es keinen signifikanten Unterschied beim Schmerzniveau im frühen Stadium gab.

(Liu S, Zhao H, Wang Y et al.: Oral bromelain for the control of facial swelling, trismus and pain after mandibular third molar surgery: A systematic review and meta-analysis. J Oral Maxillofac Surg. 2019 Aug;77(8):1566-1574)