Medizin-Telegramm Januar 2022

Vitamin K2 – sinnvolle und vielversprechende Option bei kardiovaskulären Erkrankungen

Über die Regulierung der Kalzium-Homöostase spielt Vitamin K2 eine wichtige Rolle für die kardiovaskuläre Gesundheit. Seine Effekte auf das kardiovaskuläre System werden über die Aktivierung des anti-kalkbildenden Proteins Matrix-Gla vermittelt. In seiner inaktiven Form ist das Eiweiß mit diversen Markern kardiovaskulärer Erkrankungen assoziiert inkl. erhöhter arterieller Gefäßsteifigkeit, Verkalkung der Gefäße und Herzklappen, Insulinresistenz sowie Herzinsuffizienz-Indizes, die letztlich zu einem Anstieg der kardiovaskulären Sterblichkeit führen. Eine Supplementierung mit Vitamin K2 wird mit deutlich besseren kardiovaskulären Behandlungsergebnissen in Verbindung gebracht, incl. einer längeren Lebenszeit, bei einem guten Sicherheitsprofil.

(Hariri E, Kassis N, Iskandar J-P et al. Vitamin K2 – a neglected player in cardiovascular health: A narrative review. Open Heart. 2021 Nov;8(2);e001715)

Curcumin und Entzündungen

Chronische Entzündungen tragen maßgeblich zur Entwicklung nichtübertragbarer Erkrankungen bei. Von einer systematischen Übersichtsarbeit mit 32 randomisierten, kontrollierten Studien mit insgesamt 2.038 Probanden flossen 28 Arbeiten in eine Meta-Analyse ein. Es wurden nur Teilnehmer berücksichtigt, die keine antientzündliche Therapie, sondern nur Curcumin erhielten. Durch die Einnahme des Polyphenols sanken das C-reaktive Protein, die Interleukine-6 und -8, der Tumornekrose-Faktor α und das Monozyten-Chemoattraktive Protein-1 (MCP-1). Zudem erhöhte sich das antiinflammatorisch wirkende Interleukin-10.

Die Resultate liefern Evidenz für die antiphlogistischen Effekte von Curcumin.

(Ferguson JJA, Abbott KA, Garg ML: Anti-inflammatory effects of oral supplementation with curcumin: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Nutr Rev. 2021 Aug 9;79(9):1043-1066)

Vitamin D und COVID-19

Eine deutsche, systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus einer Bevölkerungsstudie und 7 klinischen Studien liefert deutliche Anhaltspunkte, dass niedrige Vitamin D3-Werte eher eine Vorhersagevariable als nur eine Nebenwirkung der Corona-Infektion sind. Trotz der derzeitigen Impfungen empfehlen die Forscher aufgrund von Escape-Mutationen oder sinkender Antikörper-Aktivität eine Anhebung der 25(OH)D-Werte auf über 50 ng/mL, um neue Ausbrüche zu verhindern oder diese abzuschwächen. Die durchschnittlichen Vitamin D3-Spiegel lagen bei den Probanden bei 23,2 ng/mL (17,4-26,8). Das Mortalitätsrisiko bei COVID-19 korrelierte invers mit dem Vitamin D3-Status. Eine Sterblichkeitsrate von fast Null könnte theoretisch durch Vitamin D-Konzentrationen von 50 ng/mL erreicht werden, so die Wissenschaftler.

(Borsche L, Glauner B, von Mendel J: COVID-19 mortality risk correlates inversely with vitamin D3 status, and a mortality rate close to zero could theoretically be achieved at 50 ng/mL 25(OH)D3: Results of a systematic review and meta-analysis. Nutrients. 2021 Oct 14;13(10):3596)

Als Flucht- oder Escape-Mutation werden Virus-Mutationen bezeichnet, die dazu führen, dass ein Virus der Immunantwort seines Wirtes entwischen kann.

Die Schadstoffkonzentrationen in der Atmosphäre können die UVB-Intensität auf der Erdoberfläche reduzieren, so dass die Vitamin D-Synthese in der Haut abnimmt. Umweltgifte wie Feinstaub (PM10) etc. können demnach zu einem Vitamin D-Mangel beitragen.

(Rahman A, Elmi A: Air pollutants are negatively associated with vitamin D-synthesizing UVB radiation intensity on the ground. Sci Rep. 2021 Nov 2;11(1):21480)

Zink und akute virale Atemwegsinfektionen

Verglichen mit einem Placebo konnten Zinkpräparate monatlich etwa 5 Atemwegsinfektionen pro 100 Probanden verhindern, so eine australische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 28 randomisierten, kontrollierten Studien mit insgesamt 5.446 Erwachsenen, bei denen ein Zinkmangel unwahrscheinlich war. Die mittlere Krankheitsdauer verkürzte sich durch Zink um durchschnittlich zwei Tage. Die meisten Studien setzten dabei Zink als Lutschtablette ein.

(Hunter J, Arentz S, Goldenberg J et al. Zinc for the prevention of acute viral respiratory tract infections in adults: A rapid systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ Open 2021,11:e047474)

COVID-19: Veränderungen im Darmmikrobiom nachgewiesen

Personen mit COVID-19 haben eine weniger vielfältige Darmflora, so eine Forschungsgruppe der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE). Bei COVID-19-Patienten häufen sich Bakterien, die mit verschiedenen entzündlichen Erkrankungen in Verbindung stehen, während es gleichzeitig weniger entzündungshemmende Bakterien gibt. Insgesamt wurden für die Studie 212 Personen untersucht, davon 117 mit einer SARS-CoV-2-Infektion und 95 negativ Getestete, die wegen anderer Symptome die Universitätsmedizin Essen aufgesucht haben.

Das Team fand heraus, dass zum einen die Anzahl an Enterobakterien, die bei vielen entzündlichen Erkrankungen in der Darmflora vorkommen, auch bei COVID-19-Kranken vermehrt zu finden sind. Gleichzeitig war die Anzahl an Bifidobakterien vermindert, die zu den für den Darm nützlichen Milchsäureproduzenten zählen. Zum anderen kamen bei schweren COVID-Verläufen Bakterien seltener vor, die eine wichtige kurzkettige Fettsäure produzieren, die positive Effekte auf das Immunsystem hat. Die Wissenschaftler halten es für möglich, dass Stoffwechselprodukte der Darmbakterien über das Blut, die Immunantwort in der Lunge beeinflussen.

(Reinold J, Farahpour F, Fehring C et al. A pro-inflammatory gut microbiome characterizes SARS-CoV-2 infected patients and a reduction in the connectivity of an anti-inflammatory bacterial network associates with severe COVID-19. Front. Cell. Infect. Microbiol, 17.11.2021. doi: 10.3389/fcimb.2021.747816)

(https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2021/11/18/veraenderungen-im-darmmikrobiom-nachgewiesen/?indication=, abgerufen am 29.11.2021)

Resveratrol und Typ-2-Diabetes

Der Typ-2-Diabetes (T2DM) gilt als progressive inflammatorische Erkrankung. Resveratrol werden antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Zudem soll es die Insulinresistenz verbessern.

Laut einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 17 randomisierten, kontrollierten Studien mit insges. 871 T2DM-Patienten waren Resveratrol-Dosierungen von mindestens 500 mg wirksamer als Placebos, was die Nüchternblutzucker- und Gesamt-Cholesterol-Spiegel anbelangt. Zudem verbesserte Resveratrol nach 3 Monaten die HbA1C-Werte und den systolischen Blutdruck.

(Abdelhaleem IA, Brakat AM, Adayel HM et al. The effects of resveratrol on glycemic control and cardiometabolic parameters in patients with T2DM: A systematic review and meta-analysis. Med Clin (Barc). 2021 Oct 16;S0025-7753(21)00472-3)