Medizin-Telegramm April 2021

Ausdauertraining erhöht Mineralstoffbedarf

Ausdauertraining verringerte bei 37 Marine-Matrosen die Plasma-Werte von Kupfer, Zink und Eisen, während in den Erythrozyten (RBC) eine signifikante Abnahme nur von Magnesium und Zink beobachtet wurde. Gleichzeitig erhöhte sich die Zink-Ausscheidung über den Urin. Ergänzend dazu verminderten sich die Konzentrationen an bestimmten metall-abhängigen enzymatischen Biomarkern wie RBC Metallothionein und Carboanhydrase (Zink-Biomarker), Plasma-Ferritin (Eisen-Biomarker) und RBC Magnesium ATPase (Magnesium-Biomarker) nach der körperlichen Aktivität. Die Studienergebnisse deuten auf einen erhöhten Mineralien-Bedarf während sportlicher Betätigung hin.

(Rakhra G, Masih D, Vats A et al. Effect of endurance training on copper, zinc, iron and magnesium status. J Sports Med Phys Fitness. 2021 Jan 20. doi: 10.23736/S0022-4707.21.11647-0)

Polyphenole (Flavonoide etc.): Darmstatus, Parkinson und Covid-19

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass chronische Krankheiten trotz unterschiedlicher Symptome ähnliche Ursachen haben können. Inzwischen ist bekannt, dass sich weit auseinanderliegende Organe wie Darm und Gehirn wechselseitig über die sogenannte „Darm-Hirn-Achse“ beeinflussen, vermittelt über das Mikrobiom und Entzündungen. Die Darm-Hirn-Achse spielt sowohl bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Parkinson und Alzheimer eine Rolle, als auch bei internistischen Erkrankungen wie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Übergewicht und Diabetes.

(https://www.medizin.uni-kiel.de/de/forschung/clinician-scientist-academy-kiel/curricula/ekfk, abgerufen am 18.02.2021)

Gemeinsame Risikofaktoren für neurodegenerative Erkrankungen und COVID-19 wie ein gestörtes Darmmikrobiom, metabolische Risikofaktoren und genetische Prädispositionen können zu einem erhöhten Vorkommen neurodegenerativer Erkrankungen bei COVID-19-Überlebenden beitragen.

(Dolatshahi M, Sabahi M, Aarabi MH: Pathophysiological clues to how the emergent SARS-CoV-2 can potentially increase the susceptibility to neurodegeneration. Mol Neurobiol. 2021 Jan 27;1)

Zu den neurologischen Folgen der Coronavirus-Infektion könnte auch Parkinson gehören. Erste Hinweise darauf geben drei Covid-19-Patienten mittleren Alters, die einige Wochen nach ihrer Infektion typische Parkinsonsymptome und Hirnveränderungen entwickelten – obwohl sie weder erblich vorbelastet noch vorerkrankt waren. Mediziner schließen nicht aus, dass das Virus der Auslöser oder zumindest ein Beschleuniger war.

(https://www.scinexx.de/news/medizin/kann-das-coronavirus-parkinson-ausloesen/, abgerufen am 18.02.2021)

ACE2-Rezeptoren, die das Coronavirus als Eingangspforte in die Zellen benutzt, wurden mittlerweile fast überall im Körper nachgewiesen. Sie kommen in hoher Dichte auch in den Dopamin-produzierenden Nervenzellen vor, deren Schädigung zu den typischen Symptomen der Parkinson-Erkrankung führt. In den Neuronen, die für die Riechfunktion relevant sind, sind sie ebenfalls vorhanden. Ein Verlust des Riechvermögens kann sowohl bei COVID-19 als auch bei Parkinson auftreten. Bei Parkinson-Patienten konnten zudem Entzündungen des Darms mit einer Veränderung des Mikrobioms und einer vermehrten Produktion von Alpha-Synuclein in der Darmschleimhaut nachgewiesen werden. Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass die Vervielfältigung von Corona-Viren durch Polyphenole wie z. B. Curcumin und Epigallocatechin-Gallat (EGCG) inhibiert werden kann, indem die Bindung des Sars-CoV-2-Virus u.a. an den ACE2-Rezeptor blockiert wird. Polyphenole können sich zudem positiv auf die Zusammensetzung der Darmbakterien, v.a. bei chronischen Entzündungen des Darms auswirken. Viele wissenschaftliche Experimente weisen ferner darauf hin, dass Polyphenole die Ansammlung von Alpha-Synuclein verhüten, oder dessen Aggregate auflösen können. Auch wenn derzeit kein Nachweis eines neuroprotektiven Effektes erbracht werden kann, so gibt es doch zahlreiche Argumente, die für die Verwendung von Polyphenolen zur Vorbeugung und Linderung der Beschwerden bei und nach einer Infektion mit SARS-CoV2 sprechen.

(Schwarz, Sigrid: COVID-19, Neurodegeneration und Polyphenole, 09.02.2021; https://spitzen-praevention.com/2021/02/09/covid-19-neurodegeneration-und-polyphenole-amm/)

Vitamin D und Covid-19

Prof. Dr. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg plädiert für eine umfassende Vitamin D-Supplementierung der Bevölkerung. Trotz Einschränkungen und verbleibenden Unsicherheiten, gibt es zunehmend Belege, die dieses Vorgehen nachdrücklich unterstützen, besonders bei Personen mit hohem Risiko. Personen, die bereits infiziert sind, sollten hohe Vitamin D-Dosen erhalten. Die Dynamik der Pandemie und das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer solchen Supplementierung rufen zu sofortigem Handeln auf, und zwar bevor Ergebnisse aus laufenden, großen, randomisierten Studien vorliegen, so Brenner.

(Brenner H: Vitamin D supplementation to prevent Covid-19 infections and deaths-accumulating evidence from epidemiological and intervention studies calls for immediate action. Nutrients. 2021 Jan 28;13(2):411)

Auch Dr. Jakob Linseisen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der gleichzeitig Professor für Epidemiologie ist, empfiehlt eine regelmäßige Vitamin D-Einnahme zum Schutz vor Covid-19.

(https://www.presseportal.de/pm/2790/4825945, abgerufen am 24.02.2021)

Zink bei Kopf-Hals-Tumoren

Die Zinkhomöostase ist wichtig für den Erhalt der oralen und allgemeinen Gesundheit.

(Uwitonze AM, Ojeh N, Murererehe J et al. Zinc adequacy is essential for the maintenanance of optimal oral health. Nutrients, 12 (4). 2020 Mar 30)

Viele Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, die eine Strahlentherapie bekommen, leiden unter einer Radiatio-induzierten Beeinträchtigung des Geschmacksempfindens. Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 3 Studien ergab, dass eine Zink-basierte Therapie die Inzidenz dieses Symptoms reduzierte. Sein Einfluss auf eine bestehende Dygeusie war jedoch nur minimal.

(Chi WJ, Myers JN, Frank SJ et al. The effects of zinc on radiation-induced dysgeusia: A systematic review and meta-analysis. Support Care Cancer. 2020 Dec;28(12):1-12)

Studien zeigten zudem positive Effekte von Zink auf Mukositiden nach Bestrahlungen. Eine deutsche, systematische Übersichtsarbeit umfasste 23 qualitativ mittelmäßige Studien mit 1.230 Krebspatienten, die entweder eine Chemo- oder Strahlentherapie oder gleichzeitig beide Standardtherapien erhielten. Probanden, die hauptsächlich an Kopf-Hals-Tumoren litten, nahmen unterschiedliche Dosen an Zink ein und nutzten zinkhaltige Mundspülungen. Die Forscher fanden heraus, dass Zink zur Prävention der oralen Toxizität während einer Bestrahlung nützlich sein kann, wobei sein Nebenwirkungsrisiko gering zu sein scheint. Nach der Zinksubstitution waren der Geschmacksverlust, die Mundtrockenheit und die Schmerzen im Mund tendenziell geringer.

(Hoppe C, Kutschan S, Dörfler J et al. Zinc as a complementary treatment for cancer patients: A systematic review. Clin Exp Med. 2021 Jan 26. doi: 10.1007/s10238-020-00677-6)