Medizin-Telegramm Dezember 2019

Hodgkin Lymphom: Vitamin D-Mangel verschlechtert Überleben

Der Vitamin D-Stoffwechsel spielt eine bedeutende Rolle im Immunsystem. Da Hodgkin Lymphome im Zusammenspiel mit dem Immunsystem entstehen und Studien zu anderen Lymphom-Erkrankungen schon Anhaltspunkte lieferten, haben Forscher der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät in einer neuen Arbeit mit einer Beobachtungszeit von 13 Jahren, den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Hodgkin Lymphomen analysiert. Sie fanden heraus, dass Patienten mit Hodgkin Lymphomen oft ein Vitamin D-Defizit aufwiesen. Betroffene mit einem Vitamin D-Mangel hatten eine deutlich verringerte progressionsfreie Überlebens- und Gesamtüberlebenszeit, und zwar unabhängig von anderen relevanten Faktoren wie z. B. dem Krankheitsstadium oder der Therapieform. Von den 351 Patienten, die an der Studie teilnahmen, hatten 175 (50 %) ein Vitamin D-Defizit. Bei Probanden mit Progression oder Rezidiv waren die Vitamin D-Werte signifikant geringer als bei Teilnehmern ohne Rückfall (21,4 vs. 35,5 nmol/l). Sie hatten zudem häufiger einen Vitamin D-Mangel (68 vs. 41 %). Dies galt konstant für alle Krankheitsstadien. Nach 10 Jahren überlebten in der Kohorte 81,8 % der Patienten ohne Vitamin D-Mangel progressionsfrei, während es bei denen mit einem Vitamin D-Defizit nur 64,2 % waren. In Bezug auf das Gesamtüberleben lebten nach 10 Jahren noch 87,2 % der Teilnehmer, die keinen Vitamin D-Mangel hatten, während es bei den Probanden mit einem Defizit nur 76,1 % waren. Hinsichtlich der Todesursachen erhöhte ein Vitamin D-Mangel v. a. das Risiko am Hodgkin Lymphom zu versterben. In verschiedenen Modellsystemen im Labor stellten die Forscher daraufhin sogar fest, dass die normalerweise eingesetzten Zytostatika in Verbindung mit Vitamin D besser wirkten. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob der Ausgleich eines Vitamin D-Mangels zu einem besseren Therapieergebnis führen wird.

(https://idw-online.de/de/news725499, abgerufen am 30.10.2019)

Die Rolle von Zink im Immunsystem und seine Krebsabwehr-Mechanismen

Der menschliche Körper kann keine Zinkreserven speichern, so dass relativ schnell ein Mangel entstehen kann, besonders durch eine falsche Ernährung. Ein schweres Zinkdefizit ist zwar selten, aber leichte Mängel kommen weltweit häufig vor. Viele epidemiologische Studien weisen auf eine Beziehung zwischen dem Zinkgehalt in der Ernährung und dem Krebsrisiko hin. Die antitumoröse Wirkung von Zink wird am häufigsten mit seinen antioxidativen Eigenschaften in Verbindung gebracht. Aber auch der Einfluss von Zink auf das
Immunsystem, auf Transkriptionsfaktoren, die Zelldifferenzierung und -proliferation, DNA- und RNA-Synthese und -Reparatur, Enzymaktivierung oder -hemmung, die Regulierung der zellulären Signalwege und die Stabilisierung der Zellstruktur sowie der Membranen spielen eine Rolle.

(Skrajnowska D, Bobrowska-Korczak B: Role of zinc in immune system and anti-cancer defense. Nutrients. 2019 Sep 22;11(10))

Resveratrol reduzierte Albuminurie bei diabetischer Nephropathie

Eine Albuminurie ist der wichtigste Indikator einer diabetischen Nephropathie. Resveratrol besitzt antioxidative Effekte. In einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten, klinischen Studie an der 60 Typ-2-Diabetiker mit Albuminurie teilnahmen, erhielten diese über einen Zeitraum von 90 Tagen, täglich entweder 500 mg Resveratrol oder ein Placebo. Zudem nahmen alle Probanden täglich 12,5 mg des Blutdrucksenkers Losartan ein. Das durchschnittliche Albumin/Kreatinin-Quotient im Urin hatte sich in der Resveratrol-Gruppe, verglichen mit der Placebo-Gruppe, signifikant reduziert. Zudem hatten sich die antioxidativen Enzyme im Serum durch Resveratrol signifikant erhöht. Auch nach der Berücksichtigung von Störfaktoren, war der Effekt von Resveratrol, die Albuminausscheidung im Urin zu vermindern, noch signifikant. Resveratrol könnte daher ein effektives Adjuvans zu Angiotensin-Rezeptor-Blockern sein, um die Albuminexkretion bei Patienten mit diabetischer Nephropathie zu verringern.

(Sattarinezhad A, Roozbeh J, Shirazi Yeganeh B et al.: Resveratrol reduces albuminuria in diabetic nephropathy: A randomized double-blind placebo-controlled clinical trial. Diabetes Metab. 2019 Jan;45(1):53-59)

Probiotika und grippale Infekte

2 Meta-Analysen, publiziert vom “York Health Economics Consortium (YHEC)” und Cochrane berichten über eine Wirksamkeit von Probiotika zur Verringerung der Inzidenz und Dauer von akuten Atemwegsinfektionen, der Anzahl an Antibiotikabehandlungen und der Fehltage von Arbeitnehmern.

(Lenoir-Wijnkoop I, Merenstein D, Korchagina D et al.: Probiotics reduce health care cost and societal impact of flu-like respiratory tract infections in the USA: An economic modeling study. Front Pharmacol. 10:980, publ. 28.08.2019)

B-Vitamine und Diclofenac bei Kreuzschmerzen

Es gibt zunehmende Evidenz für einen analgetischen Effekt von Thiamin, Pyridoxin und Cyanocobalamin (TPC) und zwar sowohl, wenn sie alleine eingesetzt, als auch wenn sie mit NSAID, besonders Diclofenac, in synergistischer Weise kombiniert werden.
Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 4 Studien (davon 3 qualitativ moderat bis hochwertig), an denen Patienten mit Kreuzschmerzen teilnahmen, ergaben, dass eine Kombinationstherapie aus Diclofenac plus TPC, im Vergleich zur Diclofenac-Monotherapie mit einer signifikanten Reduktion der Behandlungsdauer (um etwa 50 %) assoziiert waren.

(Calderon-Ospina CA, Nava-Mesa MO, Arbeláez Ariza CE: Effect of combined Diclofenac and B vitamins (thiamine, pyridoxine, and cyanocobalamin) for low back pain management: Systematic review and meta-analysis. Pain Med. 2019 Sep 16. doi: 10.1093/pm/pnz216)

Vitamin D- und K-Mangel bei Patienten mit Mukoviszidose

Bei Patienten mit Mukoviszidose (zystischer Fibrose) hat die gestiegene Lebenserwartung zur Entdeckung neuer Komplikationen geführt. Eine Osteopenie liegt bei bis zu 50 % der erwachsenen Patienten vor, eine Osteoporose bei 10 – 34 %, was die Therapie erschweren kann. Da sie das Maximum der Knochenmasse nicht erreichen, werden Knochenschäden bei Kindern im Allgemeinen erst in der Jugend sichtbar. Fehlernährung, Entzündungen, Vitamin D- und K-Defizite, Veränderungen bei der Produktion der Sexualhormone, die Therapie mit Glukokortikoiden und körperliche Inaktivität verstärken die schlechte Knochengesundheit. Knochenmineraldichte-Kontrollen und die Prävention der Osteoporose in der Kindheit sind notwendig, um Knochenerkrankungen bei Erwachsenen mit zystischer Fibrose zu minimieren.

(Chedevergne F, Sermet-Gaudelus I: Prevention of osteoporosis in cystic fibrosis. Curr Opin Pulm Med. 2019 Nov;25(6):660-665)