Medizin-Telegramm März 2021

Mangel an fettlöslichen Vitaminen bei intestinaler Fettmalabsorption

Die häufigsten Gründe für eine Fettmalabsorption sind eine Beeinträchtigung der intestinalen Barriere, die sich als Darmentzündung und Störung der intestinalen Permeabilität sowie in Form einer exokrinen Pankreasinsuffizienz zeigt. Die exokrine Pankreasinsuffizienz, verbunden mit chronischer Pankreatitis, Pankreaskarzinom, teilweiser oder totaler Pankreatektomie, zystische Fibrose sowie gastrointestinale Erkrankungen können zu Maldigestion und Malabsorption führen. Patienten mit intestinaler Fettmalabsorption sind besonders gefährdet einen Mangel an den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K zu entwickeln. Klinische oder subklinische Defizite können langfristige Gesundheitsstörungen verursachen, inkl. neurologischen Manifestationen, Osteoporose, Osteopenie und sie können die Morbidität und Krankheitsschwere verstärken.

(Siener R, Machaka I, Alteheld B et al. Effect of fat-soluble vitamins A, D, E and K on vitamin status and metabolic profile in patients with fat malabsorption with and without urolithiasis. Nutrients. 2020 Oct 12;12(10):3110)

Eine polnische systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus 19 Fall-Kontrollstudien offenbarte, dass die Konzentrationen fettlöslicher Vitamine bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen generell geringer sind und dass eine Supplementierung zweifellos indiziert ist.

(Fabisiak N, Fabisiak A, Watala C et al. Fat-soluble vitamin deficiencies and inflammatory bowel disease: Systematic review and meta-analysis. J Clin Gastroenterol. Nov/Dec. 2017;51(10):878-889)

Vitamin D und COVID-19

Viele Faktoren prädisponieren für ein höheres COVID-19-Risiko, wie Alter, männliches Geschlecht, Komorbiditäten etc. Unzureichende Vitamin D-Spiegel sind aber bei weitem der am einfachsten und schnellsten veränderbare Risikofaktor mit großem Effekt.

Vitamin D moduliert Tausende von Genen und viele Komponenten des angeborenen und erworbenen Immunsystems. Es gibt Belege, dass höhere Vitamin D-Werte im Blut mit geringeren SARS-CoV-2-Infektionsraten und einer verminderten Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe assoziiert sind. Interventionsstudien (inkl. RCTs) deuten darauf hin, dass Vitamin D eine sehr effektive, adjuvante Behandlungsmöglichkeit sein kann.

Weltweit über 200 Wissenschaftler, Ärzte und führende Autoritäten, auch aus Deutschland, plädieren daher bei der Bekämpfung von COVID-19 für einen sofortigen, verstärkten und breiten Einsatz von Vitamin D für Erwachsene bis zum Pandemie-Ende. Ihr Appell richtet sich an alle Regierungen, Ärzte und andere Personen im Gesundheitswesen. Empfohlen werden Serum-25(OH)D-Werte von mehr als 30 ng/ml (75 nmol/l) bzw. die tägliche Einnahme von 4.000 IU (100 µg). Bei fehlender Bestimmung der Vitamin D-Spiegel sollten Erwachsene täglich 2.000 IU (50 µg) zuführen. Das Messen der Werte ist jedoch wichtig, um zu niedrige oder zu hohe Level zu vermeiden. Bei hospitalisierten COVID-19-Patienten sollte auf jeden Fall bei allen die Vitamin D-Konzentration bestimmt und ggf. supplementiert werden.

(https://vitamindforall.org/letter.html, abgerufen am 28.01.2021).

Zink und COVID-19

Auch die Supplementierung mit Zink wird als prophylaktische oder adjuvante Therapie bei COVID-19 betrachtet. Es sind 12 klinische Studien angelaufen, die die Relevanz dieses Spurenelementes bei globalen Pandemien beleuchten sollen.

(Joachimiak MP: Zinc against COVID-19? Symptom surveillance and deficiency risk groups. PloS Negl Trop Dis. 2021 Jan 4;15(1):e0008895)

Zink kann die intrazelluläre Signalübertragung, Enzymfunktionen, den Geschmacks- und Geruchssinn sowie reproduktive, skelettale, neuronale und kardiovaskuläre Systeme modulieren. Das Spurenelement besitzt einen potenziellen Nutzen bei COVID-19, indem es die Immunantwort verbessert, das Infektions- und Entzündungsrisiko minimiert, Lungenschäden verhindert und die Virusreplikation inhibiert. Eine adjuvante Zinksupplementierung zu den derzeit verfügbaren Medikamenten und Impfungen gegen SARS-CoV-2 kann ebenfalls von Vorteil sein, so die Forscher.

(Oyagbemi AA, Ajibade TO, Aboua YG et al. Potential health benefits of zinc supplementation for the management of COVID-19 pandemic. J Food Biochem. 2021 Jan 17;e13604)

In einer Studie mit 134 COVID-19-Patienten war die mediane Wiederherstellungsdauer der gustatorischen und/oder olfaktorischen Funktion bei den Patienten, die eine Zinktherapie erhielten, signifikant kürzer als bei den Probanden, die kein Zink bekamen.

(Abdelmaksoud AA, Ghweil AA, Hassan MH et al. Olfactory disturbances as presenting manifestation among egyptian patients with COVID-19: Possible role of zinc. Biol Trace Elem Res. 2021 Jan 7. DOI: 10.1007/s12011-020-02546-5)

Laut einer brasilianischen Beobachtungsstudie mit 269 schwerkranken COVID-19-Patienten, die auf der Intensivstation behandelt wurden, hatten 214 (79,6%) niedrige Zinkwerte (< 70 µg/dL). Unter einem schweren akuten Atemnotsyndrom (ARDS) litten 152 (56,5%) Erkrankte. Es zeigte sich eine Assoziation zwischen niedrigen Zinkspiegeln und einem schweren ARDS.

(Gonçalves TJM, Gonçalves SEAB, Guarnieri A et al. Association between low zinc levels and severity of acute respiratory distress syndrome by new coronavirus (SARS-CoV-2). Nutr Clin Pract. 2020 Dec 23. DOI: 10.1002/ncp.10612)

Β-Glucane: Wichtig für das Immunsystem

β-Glucane stellen eine heterogene Gruppe natürlich vorkommender und biologisch aktiver Polysaccharide dar, die in vielen Arten von Speisepilzen, Bäckerhefe, Getreide und Algen enthalten sind. Sie fungieren als sog. Biomodulatoren (biological response modifiers), wirken regulierend auf Entzündungen und beeinflussen die Effektorfunktionen verschiedener angeborener und erworbener Immunzellpopulationen. Ihr Potenzial in Vorgänge einzugreifen, die in die Krebsentwicklung oder -kontrolle involviert sind, machen β-Glucane als Adjuvans bei der Krebsbehandlung sowie zur -prävention interessant.

(Del Cornò M, Gessani S, Conti L: Shaping the innate immune response by dietary glucans: Any role in the control of cancer? Cancers (Basel), 12 (1). 2020 Jan 8)

Das Citrus-Flavanon Naringenin wirkt entzündungshemmend und antiviral. Iranische Wissenschaftler halten sogar Anti-Covid-19-Effekte für denkbar.

(Tutunchi H, Naeini F, Ostadrahimi A et al. Naringenin, a flavanone with antiviral and anti-inflammatory effects: A promising treatment strategy against COVID-19. Phytotherapy Research. Vol. 34, Issue 12. First published: 12 July 2020.)

Selen und Herzerkrankungen

Höhere Serum-Selenwerte waren bei Amerikanern mit einem reduzierten Risiko für koronare Herzerkrankungen assoziiert. Ergänzend dazu kann eine angemessene Selenzufuhr über die Ernährung die Gesamt-Mortalität reduzieren.

(Xie B, Wang J, Zhang J et al. Dietary and serum selenium in coronary heart disease and all-cause mortality: An international perspective. Asia Pac J Clin Nutr. 2020;29(4):827-838)

Das essenzielle Spurenelement Selen schützt vor oxidativen Schäden. Ein Selendefizit (Selen < 60 µg/L) wird mit der Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen (CVD) in Verbindung gebracht. Bei Probanden mit einem Selenmangel fanden sich sowohl bei den Kontrollpersonen, als auch bei den CVD-Patienten erhöhte CRP-Werte sowie ein Anstieg der Quotienten aus Neutrophilen/Lymphozyten und Kupfer/Zink. Ferner zeigten sich bei den CVD-Patienten mit Selendefizit eine erhöhte Genexpression von Zytokinen und Chemokinen wie IL1β, CCL5 und PDGF-β sowie eine Herunterregulierung von SIRT-1 sowie SIRT-5 bis SIRT-7 in den mononukleären Zellen des peripheren Bluts (PBMCs).

Fazit: Die Studie ergab, dass ein Selendefizit unabhängig mit CVD sowie erhöhten zirkulierenden Entzündungsmarkern assoziiert ist und die Expression von Zytokinen, Chemokinen sowie Sirtuinen in PBMCs beeinflusst.

(Giacconi R, Chiodi L, Boccoli G et al. Reduced levels of plasma selenium are associated with increased inflammation and cardiovascular disease in an Italian elderly population. Exp Gerontol. 2020 Dec 26;111219)

Omega-3-Fettsäuren und subklinische Entzündungen

Die subklinische Entzündung (CRP-Werte >= 3 mg/dL) ist ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. In einer koreanischen Querschnittsstudie reduzierte sich die Prävalenz subklinischer Entzündungen bei gesunden, älteren Männern durch eine erhöhte Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren.

(Yang W, Lee JH, Lee J-W et al. Increased omega-3 fatty acid intake is inversely associated with subclinical inflammation in healthy elderly men, based on the 2015-2018 Korean National Health and Nutrition Examination Survey. Nutrients. 2021 Jan 24;13(2):338)