Hier finden Sie das aktuelle Medizin-Telegrammm mit Nachrichten aus Gesundheit und Medizin.

Medizin-Telegramm Juli 2017

 

Verbindung zwischen Vitamin D, Schlaf und Schmerzen

Vitamin D ist nicht nur für den Knochen-mineralstoffwechsel relevant. Der Vitamin D-Status korreliert offenbar auch invers mit schmerzhaften Erscheinungsformen, wie der Fibromyalgie und rheumatischen Erkrankungen. Studien deuten auf einen möglichen Einfluss von Vitamin D in die regulatorischen Mechanismen sowohl des Schlafs, als auch von Schmerzen hin. Schlafmangel wird mit einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit in Verbindung gebracht. Die Supplementierung von Vitamin D, verbunden mit einer guten Schlafhygiene, könnte daher nicht nur bei der Behandlung von Schlafstörungen, sondern auch in der Prävention und Behandlung chronischer Schmerzzustände hilfreich sein.

(de Oliveira DL, Hirotsu C, Tufik S et al: The interfaces between vitamin D, sleep and pain. J Endocrinol. 2017 May 23. doi: 10.1530/JOE-16-0514)

Zink wirkt antidepressiv

Präklinische und klinische Studien haben gezeigt, dass Zink antidepressive Eigenschaften besitzt und dass es die Therapie mit konventionellen mono-aminbasierten Antidepressiva (SSRI oder TCA) verbessern kann. Es ist denkbar, dass die günstigen Wirkungen von Zink bei depressiven Patienten auf der Aktivierung von Signalwegen beruhen, die mit Vorgängen der neuronalen Plastizität assoziiert sind, so die polnischen Forscher dieser Übersichtsarbeit. Diese Neuroplastizität ist die dynamische Fähigkeit des Gehirns zur Veränderung der Zellarchitektur, -struktur und -funktion. Weitere klinische Studien sind nun notwendig, um zu klären, ob Zink auch die Therapie mit anderen Antidepressiva verbessern kann.

(Doboszewska U, Wlaz P, Nowak G, et al.: Zinc in the monoaminergic theory of depression: Its relationship to neural plasticity. Neural Plast. 2017;2017:3682752)

Omega-3-Fettsäuren und zerebraler Blutfluss

An einer US-amerikanischen Studie nahmen 166 Personen mit einer Überweisung in eine psychiatrische Klinik teil. Bei ihnen lagen bereits Angaben über die Konzentrationen der Ω-3-Fettsäuren EPA und DHA bzw. des Ω-3-Indexes in den Erythrozyten vor. Quantitative SPECT-Aufnahmen von 128 Hirnregionen wurden ebenfalls bei ihnen gemacht. Zudem wurde der neurokognitive Status mit Hilfe eines speziellen Computertests beurteilt. Partielle Korrelations-analysen zeigten statistisch signifikante Bezieh-ungen zwischen höheren Ω-3-Werten und einem besseren zerebralen Blutfluss in bestimmten Hirnregionen. Zudem korrelierten die Ω-3-Index-Werte separat mit dem Teilbereich “Gefühlslage” bei der Auswertung des neurokognitiven Tests.

(Amen DG, Harris WS, Kidd PM, et. al.: Quantitative erythrocyte omega-3 EPA plus DHA levels are related to higher regional cerebral blood flow on brain SPECT. J Alzheimers Dis. 2017 May 18. doi: 10.3233/JAD-170281)

Resveratrol schützt vor den negativen Effekten niederfrequenter elektromagnetischer Felder

Hochspannungsleitungen sind bekannt dafür, dass sie niederfrequente elektromagnetische Felder (ELF-EMF) erzeugen. An einer chinesischen Studie nahmen 186 männliche Arbeiter teil, die berufsbedingt gegenüber Hochspannungsleitungen exponiert waren sowie 154 männliche Personen mit einer unbedeutenden Exposition, die als Kontrollgruppe diente. Die Probanden erhielten entweder zweimal täglich jeweils 500 mg Resveratrol oder ein Placebo. Die Forscher bestimmten bei den Studienteilnehmern einige Entzündungsmarker und Marker für oxidativen Stress. Arbeiter mit einer langfristigen Exposition gegenüber Hochspannungsleitungen wiesen im Vergleich zur Referenzgruppe erhöhte Werte an 8-Hydroxy-2-Deoxyguanosin (8-OHdG) und F2-Isoprostan (Marker für oxidativen Stress) im Urin auf. Zudem wurden bei den exponierten Arbeitern geringere Plasmaspiegel an Nuklear Faktor kappa B (NF-kB) und Interleukin (IL)-6 beobachtet als in der Referenzgruppe. NF-κB ist ein spezifischer Transkriptionsfaktor, der vor allem bei der Regulation der Immunantwort, der Zell-proliferation und der Apoptose einer Zelle von großer Bedeutung ist. IL-6 induziert die Bildung von Akute-Phase-Proteinen und beeinflusst die B-Lymphozyten- Aktivierung und Hämatopoese. Die Einnahme von Resveratrol führte zu einer signifikanten Aufhebung der negativen ELF-EMF-Einflüsse. Eine Stimulierung der Zytokin-produktion durch Resveratrol zeigte sich nur bei den exponierten Arbeitern, nicht jedoch in der Referenzgruppe. Die Studie untermauert, dass eine berufsbedingte und langfristige Exposition gegenüber Hochspannungsleitungen negative Effekte auf die Homöostase im menschlichen Körper hat und dass Resveratrol-Supplemente effektiv vor deren Auswirkungen schützen könnten.

(Zhang D, Zhang Y, Zhu B, et al.: Resveratrol may reverse the effects of long-term occupational exposure to electromagnetic fields on workers of a power plant. Oncotarget. 2017 May 7. doi: 10.18632/oncotarget.17668)

Geeignete Vitalstoffe für Senioren

Laut einer italienischen Übersichtsarbeit gibt es lediglich für die folgenden 16 Vitalstoffe eine entsprechende wissenschaftliche Evidenz in Bezug auf die Verbesserung der muskuloskeletalen Gesundheit und/oder der kognitiven Funktion bei älteren Menschen:

Beta-Alanin, Kalzium, Kreatin, Fluorid, Leucin, Magnesium, Omega-3-Fettsäuren, Kalium, Vitamin B6, B9 (Folsäure), B12, C, D, E, K2 und Zink.

(Iolascon G, Gimigliano R, Bianco M, et al.: Are dietary supplements and nutraceuticals effective for musculoskeletal health and cognitive function? A scoping review. J Nutr Health Aging. 2017;21(5):527-538)

CoenzymQ10 verbessert die Glukose- und HbA1c-Werte

Eine serbische Meta-Analyse aus 18 Studien hat ergeben, dass die Einnahme von Coenzym Q10 die Blutglukosekonzentrationen reduzieren kann, besonders wenn Dosierungen < 200 mg/d) verwendet wurden, und wenn die  Einnahme nicht länger als 12 Wochen dauerte. Dies galt sowohl für Patienten mit hohen Blutzuckerwerten, als auch für solche, die keine erhöhten Blutzuckerkonzen-trationen aufwiesen.

(Stojanovic M, Radenkovic M.: A meta-analysis of randomized and placebo-controlled clinical trials suggests that coenzyme Q10 at low dose improves glucose and HbA1c levels. Nutr Res. 2017 Feb;38:1-12)